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Wolters Kluwer unter Beschuss

OAWS Redaktion13. Juli 20262 Min

Die Aktie von Wolters Kluwer hat sich auf Sicht von einem Jahr mehr als halbiert. Von über 40 Mrd. € Börsenwert Anfang 2025 auf heute nur noch 15 Mrd. €. Der Grund: KI-Angst. Als Anthropic im Februar ein KI-Tool für Rechtsabteilungen vorgestellt hat, hat die Aktie an einem Tag über 10% verloren.

Die These der Skeptiker: Wolters Kluwer verkauft im Kern Antworten auf Fachfragen (Rechtsdatenbanken für Anwälte, Steuersoftware für Kanzleien, das Medizin-Nachschlagewerk UpToDate). Genau das können Sprachmodelle auch.

Die Angreifer: 2025 ist etwa doppelt so viel Wagniskapital in juristische KI-Startups geflossen wie im Vorjahr. Das US-Startup Harvey wird mit 11 Mrd. $ bewertet, das schwedische Legora mit 5,5 Mrd. $. Beide bauen auf den Modellen von OpenAI und Anthropic auf.

Weniger Nutzer? Wolters Kluwer verdient an Nutzer-Lizenzen. Macht KI Kanzleien so produktiv, dass sie weniger Leute brauchen, schrumpft die Kundenbasis.

UpToDate unter Druck: In den USA wächst mit OpenEvidence ein kostenloser KI-Medizindienst. JPMorgan erwartet, dass ausgerechnet UpToDate mittelfristig schrumpfen könnte.

Die Gegenseite: Wolters Kluwer verkauft nicht einfach Information, sondern geprüfte Information. Die Rohdaten (Gesetze, Urteile) sind öffentlich, aber der Burggraben ist die Einordnung durch tausende Fachexperten über Jahrzehnte. Eine KI ist nur so gut wie ihr Futter. Zusammen mit OpenAI baut Wolters Kluwer eigene KI-Produkte, die auf diese geprüften Inhalte zugreifen. Für die KI-Version von UpToDate haben sich bereits rund 2.000 Krankenhäuser angemeldet.

Nach dem Absturz wird die Aktie nur noch mit dem 11-fachen vom erwarteten Gewinn bewertet, der 5-Jahres-Schnitt liegt beim 25-fachen. Dazu gibt's rund 4% Dividendenrendite. Wolters Kluwer muss nicht zwingend ein großer KI-Verlierer werden, aber die Unsicherheit bleibt.