Wer ist hier der Boss?

Wer ist hier der Boss?

OAWS Redaktion03. Dezember 2025

Bei Hugo Boss gibt’s einen offenen Machtkampf. Auf der einen Seite steht Aufsichtsratschef Stephan Sturm und auf der anderen Seite der britische Großaktionär Mike Ashley mit seiner Frasers Group. Ashley will Sturm loswerden und fordert: Cash ins Wachstum statt Dividende.

Ashley hält direkt rund 25% der Anteile, über Finanzinstrumente kontrolliert er sogar mehr als 30%. Das ist die magische Schwelle für ein Pflicht-Übernahmeangebot. Grundsätzlich ist Ashley auch bereit, so eins abzugeben. Aber er wäre nicht der einzige Interessent. Neben Frasers haben laut Manager-Magazin zwei chinesische Konzerne ein Auge auf Boss geworfen. Das Bull-Case-Szenario: Ein Bieterwettstreit zwischen London und China.

Das würde den Aktionären gefallen, bisher haben sie nämlich ein schlechtes Börsenjahr erlebt. Die Hugo-Boss-Aktie hat auf Sicht von einem Jahr um die 20% verloren, allein gestern ging’s 10% bergab. Das hatte aber weniger mit dem Machtkampf zu tun, sondern mehr mit den operativen Problemen:

Das Management hat 2026 gestern zum Übergangsjahr erklärt. Der Umsatz wird im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich schrumpfen und Wachstum ist erst wieder für 2027 geplant.

​​Um in einigen Jahren profitabler zu werden, sollen die Lagerbestände gesenkt und die Logistik effizienter organisiert werden.

Es scheint aber kein grundsätzliches Problem der Branche zu sein. Bei Wettbewerber Ralph Lauren läuft’s zum Beispiel viel besser. Dafür ist die Ralph-Lauren-Aktie doppelt so teuer wie Hugo Boss. Die Metzinger kommen bei einem Börsenwert von 2 Mrd. € auf ein erwartetes KGV von elf, dazu gibts fast 4% Dividendenrendite.

Allerdings muss Boss erstmal wieder operativ in die Spur kommen. Dafür will der Konzern jetzt vielleicht sogar Übernahmen machen, und soll angeblich Interesse am Modelabel von Victoria Beckham haben, das rund 130 Mio. € Umsatz macht.