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Vom Spiegelsaal ins Rechenzentrum

OAWS Redaktion10. August 20262 Min

Saint-Gobain ist 1665 von Ludwig XIV. als königliche Spiegelmanufaktur gegründet worden. Der Grund: Venedig hatte das Spiegelmonopol in Europa, Frankreich hat ein Vermögen für Importe gezahlt. 360 Jahre später ist daraus ein Baustoffkonzern in 81 Ländern mit 46,5 Mrd. € Umsatz geworden. Die Formel ist dabei gleich geblieben: Saint-Gobain liefert immer das Material für das, was die Epoche grade baut.

Aktuell sind das Rechenzentren. Ende Juli hat Saint-Gobain eine Rahmenvereinbarung mit Microsoft gemeldet. In eine Richtung steht der Deal schon: Saint-Gobain nutzt Microsofts KI in der eigenen Produktion. In die andere Richtung wird noch geprüft, wie Saint-Gobain beim Bau von Microsofts Rechenzentren helfen kann.

Das Angebot: Vorgefertigte Sandwich-Paneele für schnellen Bau, feuerfeste Verglasung und Polymerrohre, die direkt die Prozessoren kühlen.

Die Methode: Saint-Gobain nennt es intern "Hero-Produkte". Man kommt über ein Spezialprodukt rein, bei dem es kaum Alternativen gibt, und bietet dann gleich für alles andere mit an.

Die Einordnung: Rechenzentren machen bisher nur ein paar hundert Mio. € Umsatz. Der wichtigste Treiber bleibt der europäische Wohnungsbau. Und da zeichnet sich eine Erholung ab: In Europa ist der Umsatz im zweiten Quartal um 4,1% gewachsen, das stärkste Quartal seit 2022.

Mit 41,5 Mrd. € Börsenwert kommt Saint-Gobain auf ein erwartetes KGV von 13 und fast 3% Dividendenrendite. Die Rechenzentren sind bisher ein kleiner Teil vom Business, könnten aber wachsen. Auch die Besserung im Wohnungsbau wäre positiv. Sicher ist beides nicht.