
Vincorion-IPO
Diese Woche gab's den absurdesten IPO seit Langem: Der US-Drohnensoftware-Konzern Swarmer ist mit 300.000 $ Umsatz an die Börse und hat sich seitdem mehr als verzehnfacht auf über 600 Mio. $ Bewertung. Genau in dem Umfeld geht heute eine Rüstungsfirma aus Hamburg an die Börse.
Vincorion war mal die Rüstungssparte von Jenoptik. Der Halbleiterkonzern hat sie 2022 für grade mal 130 Mio. € verkauft. Heute soll Vincorion zu einer Bewertung von 850 Mio. € an die Börse. Star Capital, die damals zugegriffen haben, verkaufen beim IPO Aktien für 350 Mio. €, haben ihr Investment damit fast verdreifacht und halten immer noch rund 50%.
• Was macht die Firma? Vincorion ist Zulieferer für große Rüstungskonzerne. Generatoren für Panzer, Stabilisierungstechnik für die Panzerhaubitze 2000, Energieversorgung für Patriot-Luftabwehrsysteme, dazu Teile für Helikopter und Flugzeuge.
• Der Burggraben: In den meisten Fällen ist Vincorion der einzige Lieferant für seine Komponenten. Dazu laufen die Waffensysteme oft über 30 Jahre, was lukrative Wartungsumsätze und Ersatzteilgeschäft bringt. Das macht aktuell ca. 50% vom Umsatz aus.
• Die Ziele: Mittelfristig 15% Umsatzwachstum pro Jahr und eine EBIT-Marge von 20%. 2025 sollen bis zu 320 Mio. € Umsatz reinkommen.
• Die Rechnung: Wenn das klappt, ist das 2030 eine Firma mit rund 100 Mio. € operativem Gewinn. Wer 15% Rendite p.a. erwartet, landet bei 1,7 Mrd. € Börsenwert in 2030. Das entspricht dann dem 17-fachen Gewinn, also leicht über dem Niveau von Lockheed Martin.
Für 15% Rendite kann der Case also aufgehen. Wer aber 20-25% erwartet, muss schon sehr optimistische Annahmen treffen. Und für einen relativ kleinen Konzern sind die Risiken immer größer als bei den großen Playern. Zum Beispiel:
• Serienfehler-Risiko: Vincorion hat Serienfehlerklauseln in den Verträgen. Wenn Fehler bei einer Komponente auffallen, müssen sie auf eigene Kosten komplett neu produzieren. Besonders kritisch jetzt, wo die Produktion hochgefahren wird und große Mengen betroffen sein könnten.
• Fixpreise als Problem: Viele Verträge haben feste Preise oder begrenzte Inflationsanpassung. Steigende Rohstoffkosten oder Exportbeschränkungen bei seltenen Erden aus China könnten wehtun.