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Verbios Ölpreis-Zock

OAWS Redaktion9. April 20262 Min

Eine Aktie, die sich auf Jahressicht fast verfünffacht hat, aber gestern 15% abgeschmiert ist: Verbio. Der SDAX-Konzern nimmt landwirtschaftliche Reststoffe wie Stroh, Gülle oder minderwertiges Getreide und macht daraus Biodiesel, Bioethanol und Biomethan.

Der eigentliche Gewinn-Bringer ist aber nicht der Kraftstoff selbst, sondern die sogenannte THG-Quote. EU-Vorgaben zwingen Mineralölkonzerne wie Shell oder Aral, ihre CO2-Emissionen jährlich zu senken. Wer das verfehlt, zahlt Strafen. Deshalb kaufen sie CO2-Zertifikate von Verbio.

Was treibt die Aktie?

Regulatorischer Rückenwind: China hat den Markt vor ein paar Jahren mit billigem Biodiesel geflutet. Das hat die Zertifikatpreise gedrückt. Seitdem hat die EU harte Strafzölle gegen chinesische Fake-Importe verhängt, Deutschland hat die THG-Quote-Regeln verschärft und die Zertifikatpreise sind stark gestiegen.

Strukturelle Nachfrage: Beim Bioethanol kennt man das von E10 an der Tankstelle. In Brasilien sind's schon 30%, Deutschland testet gerade E20. Die Mineralölkonzerne müssen also in Zukunft noch mehr einkaufen.

Ölpreis-Hebel: Biokraftstoffpreise orientieren sich direkt am Ölpreis. Die Rohstoffkosten (Stroh, Getreide) hängen aber nicht am Öl. Zieht der Ölpreis an, steigen die Erlöse, die Kosten bleiben gleich.

Mit einem Börsenwert von 2,8 Mrd. € und einem erwarteten KGV von 75 ist die Bewertung sportlich. Wer die letzten Börsentage verfolgt hat, sieht: Die Aktie bewegt sich fast immer gegen den Markt. Steigt der Ölpreis, legt Verbio zu. Gibt's im Iran-Krieg Zeichen der Deeskalation, verliert sie. Das ist aktuell ein Ölpreis-Zock.

Wer breiter auf die Ölpreis-Rally und Biokraftstoffe setzen will, kann sich das 70 Mrd. $ schwere Valero Energy anschauen. Einer der größten US-Raffinerie-Konzerne, bei dem Ethanol immerhin 10% vom operativen Gewinn ausmacht.