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Unter der Nordsee
250 Meter unter einer kleinen Insel vor der norwegischen Küste werden grad zwei Kreisverkehre gebaut. Sie gehören zu Rogfast, dem längsten und tiefsten Unterwasser-Straßentunnel der Welt. 27 Kilometer lang, bis zu 400 Meter unter dem Meeresspiegel, geplante Fertigstellung 2033.
Einen Großteil davon baut Implenia, der größte Baukonzern der Schweiz. Zusammen mit einem norwegischen Partner verantwortet die Firma rund 70% des Tunnels, Implenias Auftragsanteil liegt bei 750 Mio. €. Das Unternehmen war schon am Gotthard-Basistunnel beteiligt, bohrt aktuell am Brenner-Basistunnel und baut in Schweden sogar an einem Endlager für Atommüll mit.
•Volle Bücher: Aufträge über gut 9 Mrd. € (Rekord). Das reicht bei 3,5 Mrd. € Umsatz für fast zweieinhalb Jahre.
•Der Haken: Implenia ist in fünf der letzten sechs Jahre geschrumpft. Zunächst gewollt, weil unrentable Geschäfte abgestoßen wurden. Zuletzt lag es daran, dass große Infrastrukturprojekte grad erst anlaufen: viel Planung, wenig Umsatz. 2027 soll der Umsatz aber zweistellig wachsen.
•Die Marge: Operativ aktuell bei 4%, mittelfristig sollen‘s 4,5% werden. Zum Vergleich: Porr aus Österreich, ebenfalls im Tunnelbau aktiv, kommt nur auf rund 3%. Dafür macht Porr 6 Mrd. € Umsatz und ist zuletzt leicht gewachsen.
•Der Vergleich: Beide Aktien haben seit Jahresbeginn verloren (Porr -10%, Implenia -20%). Beide sind gut 1 Mrd. € wert. Porr kommt aber auf ein KGV von nur 9 (Implenia: 12) und zahlt mit 3,5% mehr Dividende. Dafür reichen Implenias Aufträge länger.
Das Risiko bei beiden: Bei so dünnen Margen kann schon ein einziges Großprojekt zum Problem werden, wenn es teurer wird als geplant. Deshalb werden solche Tunnelprojekte oft mit Partnern gemacht. Auf der anderen Seite ist Tunnelbohren eines der wenigen Geschäftsmodelle, das ziemlich sicher nicht von KI bedroht wird.