
Unicredits Schachzug
UniCredit hat ein offizielles Übernahmeangebot für die Commerzbank abgegeben. Wir haben dazu im Podcast mit dem Banken-Experten Christian Kirchner von Finanz-Szene gesprochen. Hier zu seinem empfehlenswerten Newsletter und hier gibt’s seine Einschätzung:
•Der angebotene Kaufpreis liegt grade mal 4% über dem Schlusskurs vom Freitag, gezahlt wird nur in eigenen Aktien. Es wirkt kaum realistisch, dass UniCredit so die Übernahme hinkriegt und das wollen sie gar nicht.
•Wer ein freiwilliges Angebot macht und damit über die 30%-Marke kommt, hat das Thema Pflichtangebot ein für alle Mal erledigt. Danach kann UniCredit frei von auf 31% oder 37% weiter aufstocken, ohne wieder ein Pflichtangebot auslösen zu müssen.
•Das Angebot soll die Commerzbank endlich an den Verhandlungstisch zwingen, um über einen echten Zusammenschluss zu reden.
Aber das Timing ist schlecht. Der Krieg am Persischen Golf treibt die Inflation hoch, die deutsche Konjunkturerholung für 2026 bekommt Risse. Für Banken ist das schlecht. Steigende Zinsen wegen starker Inflation (nicht wegen brummender Konjunktur) sind das schlechteste Szenario: Finanzierungsbedingungen werden schwieriger, Risikovorsorge steigt, Kunden bekommen Probleme.
In so einem Umfeld wird es für UniCredit schwer, den eigenen Aktionären auch noch ein Übernahme-Risiko zu verkaufen. Paradoxerweise hat die geopolitische Lage die Verhandlungsposition der Commerzbank gestärkt, obwohl auch sie unter den Folgen leidet.