
Uhren für die KI
Man soll im Goldrausch ja in die Schaufelverkäufer investieren. Deswegen redet die Börse seit Monaten über Chips, Energie und Glasfaser für KI. Aber es gibt noch ein Thema: Uhren.
Daten in einem Rechenzentrum müssen nicht nur schnell fließen, sondern auch genau zur richtigen Zeit. Das passiert oft mit Quarzoszillatoren. Seit Jahren versuchen Firmen, das stattdessen aus Silizium zu bauen: kleiner, weniger temperaturempfindlich, besser skalierbar. Technisch extrem schwer, weshalb lange viel Geld in dem Bereich versenkt wurde. Eine Firma hat sich aber durchgesetzt: SiTime.
•Der KI-Hebel: 2019 kamen 12% vom Umsatz aus Rechenzentren. Letztes Jahr waren's über 50%. Der Bereich ist im letzten Quartal 180% gewachsen, das neunte Quartal in Folge über 100%.
•Warum das wächst: KI-Infrastruktur geht stark in Richtung Rack-Scale-Architektur. NVIDIA designt heute selbst Racks, die wie ein großer Chip funktionieren. Die werden viel dichter, und perfekte Synchronisation wird immer wichtiger. Pro Rack hat SiTime vor wenigen Jahren ca. 200 $ an Equipment verbaut. Heute eher 600 $.
•Der adressierbare Markt: Laut SiTime wächst der von 1 Mrd. $ (2021) auf 4 Mrd. $ im nächsten Jahr. Dazu hat SiTime grade die Timing-Sparte vom japanischen Chip-Giganten Renesas übernommen, die schon 75% vom Umsatz mit Rechenzentren macht.
•Breite Aufstellung: SiTime steckt mit mehreren Komponenten im iPhone 16e, ist im Automobil-, Flugzeug- und Militärbereich unterwegs. In einem einzigen LEO-Satelliten stecken bis zu 2.000 $ an SiTime-Komponenten.
Auch hier ist die Bewertung ambitioniert. 22 Mrd. $ Börsenwert bei ca. 900 Mio. $ erwartetem Umsatz dieses Jahr, und die Firma ist grade so profitabel. SiTime selbst rechnet mit 30%+ Wachstum über 5-8 Jahre. Das kann aufgehen, aber bei der Bewertung ist nicht nur Upside, sondern auch einiges an Downside drin. Dazu hat ein kanadisches Startup im selben Bereich Ende Juni 55 Mio. $ von Investoren eingesammelt.