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Thyssenkrupps Umbau-Wette

OAWS Redaktion20. Juli 20262 Min

Der Rhein ist so niedrig, dass Frachtschiffe kaum noch fahren können. Für Thyssenkrupp ein Problem: Das Duisburger Stahlwerk braucht täglich 50.000 Tonnen Rohstoffe per Schiff. Der Konzern hat die eigene Schifffahrt jetzt eingestellt, chartert teurere Schiffe mit weniger Tiefgang und drosselt die Hochöfen.

Aber viel wichtiger als die Rhein-Krise: Konzernchef Miguel López baut Thyssenkrupp zur Finanzholding um, die Beteiligungen an ihren früheren Sparten verwaltet.

Schon draußen: Die Wasserstofftochter Nucera (seit 2023 börsennotiert) und die U-Boot-Tochter TKMS (seit Oktober an der Börse, profitiert vom Rüstungsboom). An beiden hält Thyssenkrupp noch knapp über 50%.

Nächster Schritt: Anfang August stimmen Aktionäre über die Abspaltung der Handelssparte ab. Für je 20 Thyssenkrupp-Aktien gibt's automatisch eine Accelis-Aktie ins Depot.

Das Sorgenkind: Beim Stahlgeschäft ist der Verkauf nach Indien auf Eis gelegt, laut Manager Magazin wird aber ein Spin-off diskutiert. Zuletzt hat die Sparte dank geringerer Kosten immerhin besser abgeschnitten.

Versteckter Wert: Thyssenkrupp hält noch gut 16% an der Ex-Aufzugtochter TK Elevator. Die soll vom Aufzugkonzern Kone übernommen werden, der Anteil ist rund 3 Mrd. € wert.

Die Rechnung: Der ganze Konzern kommt auf 7,5 Mrd. € Börsenwert. Die Anteile an TKMS und Nucera sind zusammen rund 3 Mrd. € wert. Für den kompletten Rest (Stahl, Handel, Autoteile) zahlt die Börse also nur etwa 4 Mrd. €.

Klingt wenig, aber der Umbau ist teuer: Dieses Jahr erwartet Thyssenkrupp unterm Strich einen Verlust von 400 bis 800 Mio. €.

Die Aktie liegt seit Jahresbeginn rund 20% im Plus, dazu gibt's 1% Dividendenrendite. Die Story hängt aber stark an der Rüstungsfantasie von TKMS und daran, dass die Abspaltungen sauber klappen.