
Thiels Energie-Wette
Vor einem Jahr hat Peter Thiel sein komplettes öffentliches Aktienportfolio verkauft und die KI-Euphorie als "blasenartig" bezeichnet. Jetzt kauft er wieder, und zwar vor allem Energieaktien.
Das Timing ist kein Zufall. Energieaktien im S&P 500 sind über die letzten 5 Jahre mehr als doppelt so gut gelaufen wie der Gesamtindex. Trotzdem machen sie nur knapp 3% vom S&P 500 aus, so niedrig wie seit 30 Jahren nicht. Der historische Schnitt liegt bei rund 7%.
Wieso da vielleicht noch Luft nach oben ist?
•Gigantischer Strombedarf: Bis 2030 sollen 7.000 Mrd. $ in den Rechenzentrumsausbau fließen. Der zusätzliche Strombedarf entspricht der gesamten jährlichen Stromerzeugung Deutschlands.
•Knappe Reserven: Europäische Gasspeicher sind nur zu 60% gefüllt (deutlich unterm Schnitt). Die Öl-Lager der Industrieländer liegen auf dem niedrigsten Stand seit 1990, die US-Reserve sogar seit 1983.
Was spricht dagegen?
•Den niedrigen Energieanteil im S&P 500 sollte man nicht überbewerten. In den letzten Jahren sind im Tech-Bereich gigantische Börsenwerte entstanden, die es so noch nie gab. Das drückt den relativen Anteil automatisch nach unten. Und zu Thiel selbst: Man kennt ihn als PayPal-Gründer und Facebook-Investor. Er hatte Anfang der 2000er aber auch einen Hedgefonds für makroökonomische Wetten, den der Spiegel 2007 noch als "Hedgefonds-Hexer" feierte. Bis 2011 ist der Fonds fast komplett eingebrochen und hat drei Jahre in Folge Geld verloren.