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Strom statt Öl

OAWS Redaktion1. Oktober 20262 Min

Die Dividende von TotalEnergies soll bis 2030 jedes Jahr um mehr als 5% steigen. Aktuell liegt die Dividendenrendite bei 4,5%, dazu kauft TotalEnergies allein im vierten Quartal für 2,5 Mrd. $ eigene Aktien zurück. Bezahlt wird das aus dem Kerngeschäft mit Öl und Gas, wo die Förderung bis 2030 jedes Jahr um mehr als 3% zulegen soll.

Der freie Cashflow soll um rund 10 Mrd. $ steigen, ohne dass dafür die Öl- und Gaspreise steigen müssen. 2030 reicht dem Konzern schon ein Ölpreis von 35 $, um Investitionen und Dividende aus dem laufenden Geschäft zu bezahlen.

Aber der spannende Teil ist der Strombereich:

•Der Plan: TotalEnergies produziert Strom aus Solar- & Windparks, Gaskraftwerken und Batteriespeichern und verkauft ihn direkt an Großkunden. Bis 2030 soll die Stromproduktion jedes Jahr um mehr als 20% wachsen, auf 100 bis 120 Terawattstunden. Das ist gut ein Fünftel vom deutschen Stromverbrauch.

•Prominenter Kunde: Google. Für dessen Rechenzentren in Texas liefert TotalEnergies 15 Jahre lang Solarstrom aus zwei neuen Parks mit zusammen einem Gigawatt Leistung. Der größte Ökostrom-Liefervertrag, den TotalEnergies in den USA je abgeschlossen hat.

•Das Kalkül: Anders als BP und Shell, die ihre Ökostrom-Pläne zurückgefahren haben, baut TotalEnergies den Strombereich aus. Damit wird der Konzern ein Stück zum Versorger. Und die werden an der Börse meistens höher bewertet als Ölkonzerne. RWE und Iberdrola kommen auf ein erwartetes KGV von rund 19, TotalEnergies nur auf 8.

Noch macht der Strombereich erst rund 10% vom operativen Gewinn aus. Die Expansion ist teuer. Erst ab 2027 soll unterm Strich was übrigbleiben.

Die Aktie ist dieses Jahr um die 35% im Plus, TotalEnergies ist jetzt rund 170 Mrd. € wert. Sinkt der Ölpreis wieder, fehlen dem Konzern pro 10 $ weniger rund 3 Mrd. $ im Jahr. Kurzfristig gibt's außerdem ein politisches Risiko: Weil die Gewinne grade so hoch sind, fordern Politiker in Frankreich eine Übergewinnsteuer.