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Starke Marken, schwache Portale

OAWS Redaktion8. September 20262 Min

Anfang 2025 gab's einen der größten Deals der Mediengeschichte: Das komplette Medienimperium von Axel Springer mit Bild, Welt, Politico und Co. gehört Mathias Döpfner und Friede Springer. Das profitablere Digital-Business mit Stepstone und ImmoWelt kriegt der Private-Equity-Investor KKR. Damals sah das so aus: Döpfner wählt Inhalte, KKR wählt Geld. Heute sieht’s nicht mehr ganz so eindeutig aus.

Durch KI-Sorgen haben die Aktien von Kleinanzeigenfirmen wie Scout24, Baltic Classifieds oder Ziprecruiter seit April 2025 rund 20% verloren. Die Aktien von News Corp. oder der New York Times sind in derselben Zeit über 10% bzw. über 30% gestiegen. Die Börse schätzt starke Medienmarken in Zeiten von KI offenbar stabiler ein als digitale Portale.

Warum das Sinn ergibt:

Marken als Filter: Auf Social Media wird es immer schwieriger, gefakte KI-Inhalte von echten zu unterscheiden. Bekannte Medienmarken werden damit zum Vertrauensanker.

Effizienz plus Burggraben: Ein Teil der journalistischen Arbeit ist automatisierbar, das macht Verlage effizienter. Aber der wichtigste Teil (Netzwerk, investigative Recherche, Kontakte) lässt sich nicht so schnell durch KI ersetzen.

Das reinste börsennotierte Medien-Investment ist die New York Times. Die Digitaltransformation läuft weiter stark, letztes Quartal ist der Umsatz wieder zweistellig gewachsen, getrieben von 16% Wachstum bei den Digital-Abos. Die Aktie wird mit 11 Mrd. $ bewertet, das entspricht dem 23-Fachen vom erwarteten Gewinn. Das ist nicht günstig, aber der Schnitt der letzten 3 Jahre liegt bei 27.

Man sollte aber auf dem Schirm haben: Durch KI-Zusammenfassungen kommen tendenziell weniger Besucher auf Medienseiten. Bei der Times kein massiver, aber ein spürbarer Effekt. Dazu läuft ein Gerichtsverfahren gegen OpenAI wegen illegaler Nutzung von Times-Inhalten zum KI-Training. Erst letzte Woche hat die Trump-Regierung gesagt, dass sie bei dem Thema auf der Seite von OpenAI steht. Wer langfristig ans Medien-Business glaubt, kriegt die Aktie aber günstiger als in den letzten Jahren.

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