Stabil ohne KI
Kein Chip dieser Welt läuft ohne ultra-reine Gase vom Band. Eigentlich müsste Linde also der perfekte Schaufelverkäufer im KI-Boom sein. Die Realität sieht anders aus: Seit Jahresbeginn hat die Aktie fast 20% an Wert verloren.
Und das bei einem eigentlich sehr stabilen Business. Tom Gayner von Markel (Bestsellerautor Morgan Housel sitzt dort im Aufsichtsrat) meinte mal, dass Linde sowas wie das Apple der Industriewelt ist.
Was ist da also los?
•Linde ist ein Tanker. Der Konzern hat letztes Jahr 33 Mrd. $ Umsatz gemacht. Das Elektronik-Geschäft inklusive der Halbleiter-Gase steuert dazu nur 10% bei. Der riesige Rest hängt an der klassischen "Old Economy" wie Stahl oder Chemie. Und da ist die Stimmung schlecht.
•Wachstum vs. Bewertung. Linde ist eine Qualitätsaktie, die liefert. Das lässt sich der Markt aber gut bezahlen: 190 Mrd. $ Börsenwert bedeuten ein KGV von 23. Ziemlich sportlich für eine Firma, die unterm Strich nur mit 5% wächst. Fairerweise muss man sagen: Historisch lag die Kennzahl oft über 25, die Aktie ist also "günstiger" geworden. Zusammen mit der schwächelnden Gesamtwirtschaft ist die hohe Bewertung sicher ein Grund für die schwache Performance in diesem Jahr.
•Die Konkurrenz sitzt näher dran. Wer wirklich Exposure im Chip-Markt sucht, landet oft woanders. Air Products ist stark in Taiwan vertreten und beliefert die Firmen direkt vor der Haustür. Nippon Sanso hat den Heimvorteil in Asien, wo über die Hälfte aller Halbleitergase verbraucht werden.
Aber nicht falsch verstehen: Linde kann langfristig weiterhin eine gute Depot-Beimischung sein. Nur ist die Firma im Zusammenhang mit KI nicht so spannend, wie man denken könnte und man muss aufpassen, welchen Preis man für die Stabilität im Depot zahlt.