
Social Arbitrage
Chris Camillo hat zwischen 2006 und 2020 sein Portfolio von 80.000 $ auf 21 Mio. $ hochgetradet. Das entspricht im Schnitt knapp 50% Rendite pro Jahr. Hätte er nicht zwischendurch Geld abgehoben, wärs sogar noch mehr.
Sein Ansatz erinnert an Peter Lynch, nur ins Social-Media-Zeitalter übersetzt.
Die Grundidee: Er sucht Unternehmen, die Profi-Investoren schlecht einschätzen können, weil sie selbst keine Kunden sind. Schon als Kind hat Chris auf Flohmärkten nach typischen Männerartikeln wie alten Uhren gesucht. Die Stände wurden oft von Ehefrauen betrieben, die den Wert nicht kannten, und Ebay als Vergleichspreis gab es noch nicht. Günstig kaufen, teurer weiterverkaufen.
Genau das macht er heute an der Börse:
•Die Methode: Chris hat ein System gebaut, das automatisch erkennt, wenn bestimmte Wörter in Social-Media-Kommentaren besonders häufig auftauchen. Bei einem krassen Ausschlag liest er sich tief ein, spricht mit Ladenbesitzern und Kunden und prüft, ob die Börse schon davon weiß.
•Beispiel Slime-Trend: Sein System hat einen Anstieg bei Kommentaren zum Bastelkleber Elmer's Glue erkannt. Kinder konnten damit Slime basteln, das war plötzlich im Trend. Der Hersteller Newell Brands ist über 10% gestiegen, als die Quartalszahlen den Nachfrage-Boom bestätigt haben.
•Beispiel P.F. Chang's: Die chinesische Restaurantkette hatte keine Standorte in New York, wo die meisten US-Investoren sitzen. Die Finanzleute haben nicht verstanden, wie beliebt die Kette beim typischen Amerikaner war. Chris schon.
Bevor er investiert, prüft er, ob andere News dazwischenfunken könnten. Klassische Bewertungskennzahlen ignoriert er dagegen bewusst. Er geht davon aus, dass der Markt offizielle Infos bereits korrekt eingepreist hat. Wichtig zu wissen: Die krassen Renditen konnte er nur erreichen, weil er ein sehr konzentriertes Portfolio hat und viel mit Hebel arbeitet.