
Schädlinge als Geschäftsmodell
Der Ursprung von Private Equity hat viel mit Schädlingsbekämpfung zu tun. In den 1960ern hat die Radio- und TV-Firma Rollins Broadcasting den Schädlingsbekämpfer Orkin übernommen, obwohl der Kaufpreis fast siebenmal so hoch war wie der eigene Umsatz. Die Banken haben sich auf Orkins Gewinne verlassen. Der Deal gilt als einer der ersten großen Leveraged Buyouts der USA.
Kein Zufall, denn das Geschäftsmodell ist stark:
•Wiederkehrende Umsätze: Schädlinge kommen wieder. Wer nur die Tiere tötet, hat nicht die Ursache beseitigt. Deshalb laufen ca. 75% der fast 4 Mrd. $ Umsatz über Serviceverträge. Krankenhäuser, Restaurants und Supermärkte brauchen dauerhaften Schutz.
•Zersplitterter Markt: Rollins hat rund ein Fünftel vom US-Markt, der Rest sind lokale Firmen. Die Strategie: kleine Firmen kaufen, Marke stehen lassen, Marketing und Finanzen übernehmen, Produktpalette erweitern. Das hat geholfen, rund 8% Wachstum pro Jahr über zwei Jahrzehnte zu bringen.
•Zusatzleistungen als Hebel: Nur bis zu 3% der Kunden kaufen Extras wie bauliche Vorkehrungen gegen Ungeziefer. Da ist noch viel Luft.
Trotzdem hat sich die Aktie seit Jahresanfang fast halbiert (-45%). Rollins hat die Prognose für 2026 auf mindestens 6% organisches Wachstum gesenkt. Schwach läuft vor allem das Privatkundengeschäft. Da ist das Wachstum auf unter 4% abgerutscht, weil ausgerechnet das margenstarke Einmalgeschäft schwächelt. Der Rollins-Chef nennt als möglichen Grund KI: Chatbots sollen Kunden eher zum Selbermachen raten. Dazu schauen die Amerikaner genauer auf ihre Ausgaben.
Nach dem Absturz liegt das erwartete KGV bei 27. Klingt immer noch nicht günstig, aber im Schnitt der letzten fünf Jahre hat Rollins das 45-Fache gekostet.