
Sachbezüge bringen Milliarden
Alle reden über KI, Quantencomputer und Weltraum. Wir reden über Essensgutscheine.
Edenred wickelt jeden Tag das Mittagessen von zig Millionen Menschen ab. Das Prinzip: Arbeitgeber zahlt einen Teil, Arbeitnehmer zahlt einen Teil, der Staat gibt Steueranreize. Laut S&P Global hält Edenred 50% Marktanteil weltweit. Das Netz aus Partnerfirmen und Arbeitgebern ist extrem schwer zu kopieren, weil man ohne Partnerfirmen keine Arbeitgeber kriegt und umgekehrt.
Über die letzten 5 Jahre ist der Umsatz mit knapp 15% pro Jahr gewachsen, bei operativen Margen von ca. 30% und kaum Schulden. Trotzdem hat die Aktie in zweieinhalb Jahren 60% verloren. Das KGV liegt nur noch bei 11, der Schnitt der letzten 10 Jahre bei über 30.
Was ist passiert?
•Italien greift ein: Edenred hat seine Marktposition ausgenutzt und Restaurantgebühren auf bis zu 20% vom Gutscheinwert hochgetrieben. Seit September 2025 gilt eine Obergrenze von 5%. Dazu hat die Wettbewerbsbehörde eine Untersuchung eingeleitet.
•Brasilien noch härter: Gebührenobergrenze von nur 3,6%, kürzere Zahlungsfristen und die Pflicht, Gutscheine auch bei der Konkurrenz einlösbar zu machen. Grade die kürzeren Fristen treffen Edenred, weil das Geld zwischen Überweisung und Einlösung verzinst auf Edenreds Konto lag. Bei brasilianischen Zinsen von über 10% war das ein attraktives Geschäft.
•Die Angst: Investoren fürchten, dass weitere Länder ähnliche Regulierungen einführen könnten.
Aber wie groß ist der Schaden wirklich? Das Zinseinkommen macht weltweit 8% vom Umsatz aus. Der Umsatz mit Essensgutscheinen in Brasilien und Italien zusammen liegt bei 20%. Selbst wenn beides komplett wegfallen würde, wären das 30% vom Umsatz. Dazu hat Edenred auch noch Tankgutscheine, Geschenkgutscheine und Wellnesskarten. 60% Kursverlust und ein KGV von 11 preisen ziemlich viel Skepsis ein.