Riskante Cashflow-Wette

Riskante Cashflow-Wette

OAWS Redaktion15. Oktober 2025

Alle kaufen Gold und es gibt ein Rekordhoch nach dem nächsten. Umicore dagegen hat seine kompletten Goldbestände für 410 Mio. € verkauft. Das ist umso überraschender, weil die Firma das Gold für ihr tägliches Business braucht. Deshalb hat Umicore das Gold direkt zurückgeleast. Es bleibt in den Fabriken, gehört aber jetzt den Banken, denen der Konzern eine Gebühr zahlt.

Aber, wer ist Umicore überhaupt?

Dahinter steckt ein belgisches Materialtechnologie-Unternehmen, das sein Geld mit dem Recycling von Edelmetallen, Katalysatoren und Batteriematerialien verdient. Alte Handys, Industrieabfälle oder gebrauchte Autoteile werden eingeschmolzen, um wertvolle Metalle wiederzugewinnen.

Aber beim Blick auf den Börsenwert sieht man, dass etwas schiefgelaufen sein muss: Umicore war 2021 noch 14 Mrd. € wert. Heute sind’s nur 4 Mrd. €, obwohl die Aktie dieses Jahr 80% gestiegen ist.

Das Problem: Die wichtigste Sparte von Umicore sind Katalysatoren für Verbrennermotoren. Das ist ein aussterbendes Geschäft, weil wir immer mehr E-Autos haben. Umicore hat das erkannt und massiv in Batterietechnologie investiert.

Aber:

Die E-Auto-Revolution verläuft langsamer als erwartet.

Das Unternehmen hat auf NMC-Batterien gesetzt. Getrieben durch China setzen sich aber eher LFP-Batterien durch.

Jetzt hat auch das Management reagiert. Der neue Plan bis 2028:

Investitionen in der Batteriesparte reduzieren und das Geschäft bis 2027 profitabel machen.

Der Katalysatoren-Bereich soll als Cash-Cow dienen, aus dem viel Geld rausgezogen wird.

Wenn der Plan aufgeht, könnte Umicore im Kerngeschäft bis 2028 rund 2 Mrd. € Free Cashflow generieren. Rund 600 Mio. € sollen ins Batteriegeschäft fließen, bleibt immer noch mehr als 1 Mrd. € übrig. Bei einem Börsenwert von 4 Mrd. €.

Umicore könnte also ein attraktiver Cashflow-Case sein, aber es ist keine Wette ohne Risiko. Eine Sache sollte man außerdem wissen: Das Unternehmen steht wegen seiner Lieferketten immer wieder in der Kritik und hat eine dunkle Vergangenheit in der Kolonialgeschichte Belgiens.