Reifen auf Parkett

Reifen auf Parkett

OAWS Redaktion18. September 2025

Endlich mal wieder ein Börsengang in Deutschland. Auch wenn gestern keine neue Firma entstanden ist, hat Continental nach langer Planung seine Autozuliefersparte Aumovio abgespalten – und der Markt hat’s gefeiert. Rechnet man den Wert von Aumovio (3,5 Mrd. €) und dem Rest-Konzern (11,6 Mrd. €) zusammen, sind das über 15 Mrd. €. Am Vortag war Continental insgesamt unter 15 Mrd. € wert.

Und noch spannender: Seit Ankündigung der Abspaltung im August 2024 hat die Conti-Aktie über 30% zugelegt, während der europäische Auto-Index sogar gefallen ist. Woran liegt’s?

Man hat das Sorgenkind abgestoßen. Die abgespaltene Autosparte Aumovio hat mit 19 Mrd. € mehr als die Hälfte vom Umsatz, aber kaum Gewinn gemacht (unter 300 Mio. €). Ein riesiger Apparat mit minimaler Marge.

Übrig bleibt die Cash-Cow. Die Reifensparte, intern teilweise als "Conti-Geld" bezeichnet, ist das krasse Gegenteil: Sie hat mit nicht mal 40% vom Umsatz satte 80% des Konzerngewinns eingefahren. Die operative Marge liegt bei fast 15%.

Die Strategie ist also klar: Das hochprofitable Reifengeschäft soll als eigenständige Firma endlich eine höhere Bewertung bekommen, ohne vom kriselnden Autogeschäft nach unten gezogen zu werden. Auch die Industriesparte ContiTech soll dafür noch abgespalten werden.

Ein alleinstehender Reifenhersteller ist aber noch kein Garant für eine Kurs-Explosion. Konkurrenten wie Michelin oder Pirelli haben an der Börse eine eher tiefe Bewertung und gelten eher als Dividendenzahler, nicht als krasse Wachstums-Storys. Da dürfte sich Continental dann auch einreihen.