
Private Equity kauft Tierärzte
Seit 2014 sind die Preise für Tierarztbesuche in den USA um 60% gestiegen, oft zahlt man über 300 $ pro Besuch. Ein Grund ist Inflation. Der andere: Private-Equity-Firmen haben tausende Tierarztpraxen aufgekauft und zu großen Ketten zusammengelegt. 2017 gehörte jede zehnte US-Praxis zu einem Konzern, heute ist es mehr als jede vierte.
Für Haustierbesitzer heißt das höhere Rechnungen. Für Lieferanten heißt es: Die Gegenseite hat plötzlich Verhandlungsmacht. Früher hat man an viele einzelne Tierärzte verkauft, jetzt sitzen da Ketten, die für hunderte Kliniken auf einmal einkaufen. Eine unabhängige Tierärztin hat bei PBS erzählt: Bei manchen Medikamenten zahlt eine Konzernklinik nur 30 Cent, wo sie selbst einen Dollar zahlt.
Genau diesen Druck spürt jetzt Zoetis, der größte Tiermedizin-Konzern der Welt (2013 von Pfizer abgespalten). 30% vom Umsatz wird mit Nutztieren gemacht. 70% kommen aus dem Haustier-Geschäft. Das ist in den letzten zehn Jahren im Schnitt um 13% pro Jahr gewachsen. Letztes Quartal ist der Umsatz aber zum ersten Mal seit 2015 gesunken.
•Preissensible Kunden: Investoren hatten gedacht, Haustiere seien so sehr Familie geworden, dass Besitzer bei den Ausgaben nicht sparen. Das stimmt offenbar nicht. Fürs Gesamtjahr wird nur noch von knapp über 9 Mrd. $ Umsatz ausgegangen, nach 9,5 Mrd. $ im Vorjahr.
•Blockbuster-Risiko: Zoetis verdient das meiste Geld mit wenigen Produkten: Apoquel (gegen Juckreiz bei Hunden) und Simparica Trio (gegen Flöhe, Zecken, Würmer). Bei beiden gibt's stärkere Konkurrenz, und 2030 bzw. 2032 läuft der Patentschutz aus.
•Kettenmacht: Die großen Praxisketten schließen Verträge über mehrere Jahre ab. Konkurrent Elanco hat zuletzt einige davon gewonnen.
Der Börsenwert ist seit dem Hoch Ende 2021 über 70% auf 30 Mrd. $ gefallen. Das erwartete KGV liegt bei 12, der niedrigste Wert ever für Zoetis. Der Schnitt der letzten zehn Jahre liegt bei 30. Selbst Elanco, die grad Marktanteile klauen, werden mit einem erwarteten KGV von 19 bewertet, obwohl Zoetis profitabler ist.
Zumindest Management scheint an die eigene Story zu glauben: Aktienrückkäufe plus Dividende ergaben zuletzt rund 10% Aktionärsrendite. Ob die neuen Medikamente in der Pipeline an die alten Blockbuster heranreichen, ist aber die entscheidende Frage.
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