
Orklas Umbau
In über 90% der dänischen Küchenschränke steckt mindestens eine Marke von Orkla. Ketchup, Senf, Marmelade, Chips, Tiefkühlpizza. Insgesamt macht der norwegische Konzern rund 6,5 Mrd. € Umsatz mit etwa 18.000 Mitarbeitern. Das Problem: Orkla war jahrzehntelang ein klassischer Mischkonzern und baut sich jetzt radikal zur Holding um.
•Kaufen und Verkaufen: Das Indien-Geschäft hat Orkla dort an die Börse gebracht, einen isländischen Schokoladenhersteller abgestoßen. Dafür hat der Konzern für über 200 Mio. € die European Candy Group gekauft, um die vegane Erfolgsmarke BUBS europaweit zu skalieren. Dazu kommen 40% an der asiatischen Saucen-Marke Go-Tan.
•Heimlicher Gewinnbringer: Orklas größter Ergebnislieferant ist gar kein Lebensmittel. Es ist Jotun, ein norwegischer Farben- und Lackhersteller. Orkla hält über 40% und führt die Firma nicht mal selbst. Im letzten Quartal hat Jotun rund 185 Mio. € operativen Gewinn gemacht, auf Orklas Anteil entfallen knapp 80 Mio. €. Das ist mehr als die gut 55 Mio. € von Orkla Foods.
•Wachstumsproblem: Beim Kerngeschäft Orkla Foods ist der Umsatz zuletzt leicht gesunken. Das organische Wachstum über alle konsolidierten Firmen? Praktisch null, nach fast 5% im Quartal davor. Viel Wachstum der letzten Jahre kam über Preiserhöhungen. Jetzt fehlt dieser Hebel, gleichzeitig gehen die Mengen zurück.
•Aktionärspflege: Im ersten Halbjahr sind rund 740 Mio. € durch Dividende und Rückkäufe an die Aktionäre geflossen. Zusammen mit Investitionen und Zukäufen sind die Schulden dadurch auf knapp 2 Mrd. € gestiegen.
An der Börse ist Orkla fast 8,5 Mrd. € wert. Das ist das 14-fache vom erwarteten Gewinn und damit günstiger als im Schnitt der letzten Jahre. Dazu kommen 4% Dividendenrendite. ABER: Der Umbau muss schneller funktionieren als der Rückgang der Marken in den Regalen. Ende des Jahres soll eine neue Mittelfrist-Strategie kommen.