
Organe liefern
Über 100.000 Menschen stehen in den USA auf der Organspende-Warteliste. Trotzdem werden jedes Jahr knapp 30.000 gespendete Organe weggeworfen. Herzchirurg Waleed Hassanein hat deshalb noch während seiner Ausbildung 1998 angefangen, eine Lösung zu entwickeln.
Mit den Maschinen seiner Firma Transmedics können Spenderorgane mit warmem, sauerstoffreichem Blut versorgt werden. Dadurch schlägt ein Herz weiter, eine Leber produziert weiter Galle. Organe, die vorher im Müll gelandet wären, werden transplantierbar.
•Explosives Wachstum: Der Umsatz ist von 30 Mio. $ in 2021 auf knapp 600 Mio. $ in 2025 gestiegen. Letztes Jahr hat die Firma bei über 5.000 Transplantationen in den USA geholfen, das sind knapp 25% aller Herz-, Lungen- und Lebertransplantationen im Land.
•Der Nierenmarkt als Hebel: Bis 2028 will Transmedics jährlich 10.000 Transplantationen schaffen. Der größte Treiber: Nierentransplantationen sollen ins Portfolio kommen. Fast 30.000 Nieren werden jährlich in den USA eingepflanzt, alle anderen Organe zusammen kommen nur auf knapp 20.000.
•Mehr als Hardware: 40% der Umsätze kommen aus Service. Kliniken kaufen das Gerät nicht mehr, sondern zahlen pro Eingriff jeweils über 100.000 $. Transmedics übernimmt den ganzen Rest: über 20 eigene Flugzeuge, 20 Logistikzentren und 300 für den Transport ausgebildete Spezialisten.
•Europa-Expansion: Aktuell kommen unter 3% vom Umsatz von außerhalb der USA. In Italien startet jetzt das erste europäische Programm mit eigener Fahrzeugflotte und Verteilzentren. Allerdings ist die Konkurrenz in Europa stärker.
Aber man sollte wissen, dass es einige Risiken gibt. Anfang 2025 hat der Short-Seller Scorpion Capital in einem 340-seitigen Bericht unter anderem vorgeworfen, Transmedics würde Krankenhäuser zu überhöhten Kosten zwingen und Ärzte dafür bezahlen, eigentlich nicht transplantierbare Organe trotzdem zu verwenden. Der Börsenwert ist danach von fast 6 Mrd. $ auf unter 2 Mrd. $ gefallen, Aktionäre haben eine Sammelklage eingereicht.
Transmedics hat alle Vorwürfe zurückgewiesen, CEO Hassanein hat im Tiefpunkt selbst Aktien nachgekauft, der Kurs hat sich auf über 4 Mrd. $ erholt. Aber die Klage läuft noch, und der Short-Seller ist weiter aktiv.
Zur Bewertung: Wenn Transmedics 2028 das Ziel von 10.000 Transplantationen erreicht und die angepeilte operative Marge von 30% schafft, sollten um die 250 Mio. $ Nettogewinn drin sein. Das wäre beim aktuellen Kurs ein erwartetes KGV von 17.
Wie revolutionär die Technologie wirklich ist, ob Maschinenperfusion die klassischen Methoden ersetzt und wie es um künstliche Transplantation steht, haben uns Dr. Cornelius van Beekum und Dr. Philipp Felgendreff im Podcast beantwortet. Die beiden sind Fach- und Oberarzt für Transplantationschirurgie an der Medizinischen Hochschule Hannover.