
Nukleare Fantasie
Ein Start-up ohne Lizenzen, ohne Umsatz, aber mit 17 Mrd. $ Börsenwert? Genau das ist gerade die Lage bei Oklo. Die Aktie des US-Konzerns ist seit Jahresanfang über 400% gestiegen. Getrieben bisher nur von Fantasie. Und wegen der Connections eines alten Bekannten: Sam Altman, dem CEO von OpenAI.
Altman saß lange im Aufsichtsrat von Oklo und ist Anfang des Jahres ausgestiegen, als OpenAI selbst mit dem Start-up über einen Stromdeal verhandelt hat. Die Idee der Firma klingt perfekt fürs Silicon Valley: Mini-Reaktoren statt Megakraftwerke, kein Wasser zur Kühlung, mit Atommüll als Kraftwerk-Treibstoff – und das Ganze im Abo-Modell.
Die Realität sieht aber weniger fancy aus:
•Keine Lizenz der US-Atomaufsicht (eine wurde 2022 wegen Sicherheitsbedenken abgelehnt).
•Keine Einnahmen, stattdessen massiver Cash-Burn.
•Erstes Produkt frühestens 2030.
Warum der Hype trotzdem? Kontakte. Neben Altman sitzt mit Chris Wright ein ehemaliger Oklo-Aufsichtsrat heute im US-Energieministerium. Das hilft bei Förderprogrammen – und befeuert die Fantasie, dass Oklo das Tesla der Kernenergie werden könnte.
Doch Analysten sehen mehr Risiko als Chance: Es fehlen nicht nur Genehmigungen, sondern auch der Brennstoff – alter Atommüll ist nicht einfach so zu kaufen. Darum setzen auch viele Investoren gegen Oklo. Mehr als 10% der Aktien sind laut Financial Times geshortet.
Oklo ist aktuell also ein klares High-Risk-Investment. Die Absichtserklärungen sind eher Marketing als anbandelnde Kunden. Klappt die Hochrisiko-Wette aber, gründet Oklo quasi eine neue Industrie.