
Novartis unter Druck
Zwei Studien-Fails innerhalb weniger Tage, 10% Kursverlust alleine gestern. Novartis, die zweitwertvollste Firma der Schweiz, hat gerade massive Probleme in der Medikamentenentwicklung. Wir haben dazu im Podcast mit Helena Smolak gesprochen. Sie ist Pharma & Biotech Korrespondentin beim Handelsblatt und war davor Pharma Reporterin beim Wall Street Journal. Hier eine Kurzfassung ihrer Einschätzung:
Was war gestern los: Ein Medikament gegen eine seltene Muskelerkrankung hat in der entscheidenden Studie enttäuscht. Das Bittere daran: Der Wirkstoff kam erst letztes Jahr über eine 12 Mrd. $ schwere Übernahme ins Haus. Das Management hatte mit einem Erfolg gerechnet, weil der Wirkstoff schon in einer späten Entwicklungsphase war. Grundsätzlich scheitern selbst in der letzten Phase vor Zulassung noch rund 50% aller Medikamente. Aber:
•M&A-Problem: Es ist nicht der erste teure Fehlgriff. Auch die Übernahme des Münchner Biotechs Morphosys war eine Enttäuschung. CEO Vas Narasimhan steht damit deutlich unter Druck.
•Patentkliff: Bei wichtigen Medikamenten laufen Patente ab. Novartis hält trotzdem an der Prognose von 5-6% Wachstum pro Jahr bis 2030 fest. Laut Branchenexperten geht das aber eigentlich nur noch über weitere Zukäufe. Und ab 2031 wird es noch unklarer.
•Hoffnungsschimmer: Ein MS-Medikament hat zuletzt starke Studiendaten geliefert.
Die Umstrukturierung der letzten Jahre (Verkauf von Generika-Tochter Sandoz) war laut Helena trotz der aktuellen Schwierigkeiten richtig, weil die Geschäftsmodelle zu unterschiedlich waren. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie auch nach dem Einbruch noch 4% im Plus.