Nokia = KI-Profiteur?

Nokia = KI-Profiteur?

OAWS Redaktion23. Oktober 2025

Die Legende vom Handy-König Nokia hat Steve Jobs 2007 mit dem iPhone beendet. 80% ist der Börsenwert seitdem gecrasht. 2013 hat man die Handysparte für 7 Mrd. $ an Microsoft verkauft, 2016 die Markenrechte abgegeben. Was macht Nokia überhaupt noch?

Tatsächlich ist die Aktie dieses Jahr schon knapp 40% gestiegen. Der Fokus liegt längst auf Telekommunikations-Netzwerken, also Mobilfunktürmen und Glasfaser für Vodafone, Telekom und Co. Außerdem verwaltet Nokia über 20.000 Patente, die essenziell sind für 4G und 5G, und lizenziert sie an Big Player wie Apple und Samsung. Das ist quasi die Cashcow.

Nokia musste sich also schon oft wandeln und steckt jetzt wieder in einer Transformation. Die neue Wachstumshoffnung heißt KI-Infrastruktur. Nokia verkauft Glasfaserkabel nicht mehr nur an Netzbetreiber, sondern jetzt auch an Cloud-Anbieter wie Microsoft Azure und Amazon AWS, um deren Rechenzentren zu verbinden.

Der Umsatz im Bereich Netzwerkinfrastruktur ist im Q3 währungsbereinigt um über 10% gestiegen, getrieben durch die Nachfrage von KI- und Cloudkunden.

Allein die optischen Netzwerke sind um knapp 20% gewachsen und machen hier mit fast 800 Mio. € 40% aus.

Im September haben sie einen Data-Center-Deal mit dem norwegischen KI-Infrastruktur-Anbieter Nscale klargemacht und werden dort zum bevorzugten Partner für die Netzwerktechnik (Router, Glasfaser).

Um den KI-Shift zu untermauern, hat Nokia Mitte letzten Jahres Infinera für über 2 Mrd. $ übernommen, einen US-Spezialisten für optische Netzwerkgeräte.

Der neue CEO Justin Hotard und der neue Technologie-Chef sind beide vom KI- und Datenzentren-Team von Intel gekommen. Die weitere Strategie, auch zum KI-Business, wollen die beiden am 19.11. bei einem Capital Markets Day präsentieren.

Fürs Gesamtjahr 2025 erwartet Nokia allerdings nur einen operativen Gewinn von knapp 2 Mrd. $, also etwa so viel wie im Vorjahr. Das erwartete KGV von 18 wirkt erstmal nicht günstig, besonders nicht, wenn man bedenkt, dass der Schnitt der letzten zehn Jahre bei 16 liegt. Das würde sich vielleicht ändern, wenn der Markt Nokia als KI-Play entdeckt.