
Netflix Comeback?
Netflix hat sich in den letzten Jahren durch Preiserhöhungen, das Vorgehen gegen geteilte Accounts und das günstigere Werbe-Abo stark entwickelt. Der operative Gewinn ist in den letzten 10 Jahren im Schnitt 50% pro Jahr gewachsen. Zuletzt hat sich das Wachstum aber auf 25% verlangsamt, und Investoren fragen sich, woher der nächste Schub kommt.
Die Aktie hat seit dem Hoch vor einem Jahr fast die Hälfte verloren. Bei 300 Mrd. $ Börsenwert liegt das KGV nur noch bei 21 (vs. 50 vor einem Jahr). Das ist der zweitgrößte Kursrückgang der letzten zehn Jahre.
Ist das übertrieben? Hier paar Argumente:
•Operativer Hebel: Die Inhalte kosten Netflix im Schnitt nur 5 $ pro Abonnent und Monat. Mit 325 Mio. Abonnenten kann Netflix die Kosten auf eine extrem breite Basis verteilen. Und anders als bei YouTube gehören Netflix die Inhalte selbst, jede zusätzliche Wiedergabe kostet also nichts extra.
•Werbe-Abo als Wachstumstreiber: Laut Analysefirma EDO könnte ein Werbe-Abonnent mit ca. 40 Stunden Nutzung pro Monat 25% mehr Umsatz bringen als ein Nutzer auf dem teureren werbefreien Plan (20 $). Im ersten Halbjahr 2025 lagen die Nutzer im Schnitt bei knapp 50 Stunden. Allerdings: Netflix schafft es aktuell noch nicht, alle Werbeplätze voll zu verkaufen.
•Gaming & Engagement: Fifa ist zurück, zwar nur als WM-Variante vom kleinen Studio Delphi Interactive, aber exklusiv auf Netflix. Dazu kommt ein Video-Feed im TikTok-Style. Alles zielt darauf ab, die Verweildauer zu erhöhen und so das Werbegeschäft profitabler zu machen.
•Die Sorge: In der zweiten Jahreshälfte 2025 sind die gestreamten Stunden nur 2% gestiegen. Gerade bei der jungen Generation geht Aufmerksamkeit zunehmend an TikTok und YouTube.
Ein KGV von 21 ist bei rund 10% Umsatzwachstum nicht teuer, aber auch kein absurd günstiger Einstieg. Streaming ist ein starkes Business, aber kein einfaches. Man braucht immer wieder inhaltliche Hits, muss fürs Werbegeschäft genug Partner ranholen und sich gegen immer stärkere Konkurrenz um Aufmerksamkeit behaupten.