
Morgan Stanley lobt Instacart
Der Hype um Supermarkt-Lieferdienste ist vorbei. Instacart war ja mal das Sinnbild für den Corona-Boom. Online aus hunderten Supermärkten wählen und liefern lassen. Für Händler ohne eigene Logistik war das Gold wert. Heute sieht’s anders aus. Die Aktie ist seit Jahresanfang rund 5% eingebrochen, und das trotz aggressiver Aktienrückkäufe.
Trotzdem hat Morgan Stanley den 10 Mrd.-$-Lieferkönig jetzt auf die Liste der Dividend Hopefuls gesetzt. Die Analysten weisen auf die Zahlen unter der Haube des Konzerns hin:
•Instacart hat sehr soliden Cashflow
•Instacart hält rund 16% der eigenen Marktkapitalisierung in Cash. Das ist für ein Tech-Unternehmen eher konservativ.
Das große Problem: Trotz dieser Zahlen scheinen beim Wachstum die besten Tage vorbei. Im Jahr 2022 hat's noch 40% Wachstum gegeben, jetzt sind’s nur noch 10%. Der Umsatz im letzten Quartal war zwar bei knapp 940 Mio. $ und auch der operative Gewinn war solide, aber spektakulär war’s eben nicht mehr. Die Konkurrenz macht’s aktuell besser.
Klassische Supermarktketten melden plötzlich selbst zweistelliges Onlinewachstum. Kroger hat im E-Commerce zuletzt 16% zugelegt, Albertsons ist sogar um 23% gewachsen. Instacarts einstige Plattform-Dominanz wird zusehends ausgehöhlt. Händler setzen auf eigene Liefermodelle oder Partner wie DoorDash.
Aber Instacart verdient nach wie vor ordentlich Kohle. Dieses Geld hat die Firma fleißig in Künstliche Intelligenz investiert. Man bietet Supermärkten jetzt bessere Nachfrageprognosen, Preisautomatisierungen und Lagerplanungen. Aus der Liefer-App wird damit Schritt für Schritt eine B2B-Plattform für den Einzelhandel. Das macht das Geschäftsmodell deutlich nachhaltiger.
Aber: Der Markt preist aktuell ein, dass Instacart diesen Kampf verliert. Dabei ist das Wachstum zwar langsamer geworden, aber Instacart ist im Gegensatz zu vielen Wettbewerbern längst profitabel. Mit einem KGV von etwas über 20 wirkt es zumindest wie ein solides Unternehmen in einem wachsenden Markt.