← ZurückLindts Schoko-Dilemma

Lindts Schoko-Dilemma

OAWS Redaktion5. Oktober 20262 Min

„Niemand hatte Lust, bei 37 Grad in ein Geschäft für Schokolade zu gehen." So hat Lindt-Chef Lechner das schwache Sommergeschäft erklärt. Aber die Hitze ist nicht das einzige Problem.

Wegen des extrem teuren Kakaos hat Lindt die Preise im ersten Halbjahr um fast 12% erhöht. Der Goldhase wurde in der Schweiz zu Ostern einen ganzen Franken teurer. Die Folge: Die verkaufte Menge ist um rund 8% gesunken. Erst hat Lindt es mit kleineren Packungen versucht (die wichtigste Lindor-Packung schrumpft von 137 auf 100 Gramm), aber der Kilopreis bleibt gleich. Das hat den Kunden nicht gereicht. Deshalb sollen ab Januar die Preise auf breiter Front sinken. Die Umsatzprognose für dieses Jahr sind maximal 2% Wachstum, zu Jahresbeginn sollten es bis zu 8% sein.

Das Problem: Lindt senkt die Preise, obwohl Kakao teurer wird. Seit dem Tief im Februar hat sich der Kakaopreis fast verdoppelt.

An der Börse hat die Aktie seit Jahresbeginn rund 40% verloren. Die 19 Mrd. € Börsenwert stehen für ein KGV von 24. So niedrig bewertet waren die Schweizer das letzte Mal vor 15 Jahren.

Aber es gibt auch positive Stimmen. Laut UBS kauft Lindt den Kakao lange im Voraus. Die Bank geht davon aus, dass sich Lindt den deutlich billigeren Kakao teilweise schon gesichert hat, und rechnet für 2027 mit bis zu 550 Mio. € Spielraum für die Preissenkungen. Außerdem betrifft das Wachstumsproblem vor allem Europa. In Nordamerika ist Lindt im ersten Halbjahr um fast 13% gewachsen.

Trotzdem kosten zwei gesenkte Prognosen in einem Jahr natürlich Vertrauen. Lindts großes Argument war immer, dass Kunden der Marke auch bei höheren Preisen treu bleiben. Genau das wird grade getestet.

Dafür kriegt man die vergleichsweise niedrige Bewertung plus 2% Dividende. Und wer sich die Namenaktie für rund 85.000 € pro Stück leisten kann: Es gibt den legendären Schokoladenkoffer mit rund 4 Kilogramm Lindt-Schokolade als Sachdividende bei der Generalversammlung.