Kunde zahlt nicht

Kunde zahlt nicht

OAWS Redaktion02. Dezember 2025

Neben KI, Rüstung und den großen Zukunftsthemen, wollen wir in Zukunft wieder mehr auf spannende Geschäftsmodelle unterm Radar schauen. Das erste Beispiel: Intertek.

Die Londoner Firma ist 8 Mrd. € wert, Teil des FTSE 100 und geht unter anderem auf das Lamp Testing Bureau von Thomas Edison zurück.

Was macht Intertek also? Die Firma prüft Produkte. Spielzeug, Impfstoffe, Kraftwerke. Das Spannende: Das Business ist global und breit gestreut. Grob ein Drittel des Umsatzes kommt jeweils aus Amerika, EMEA und dem Rest der Welt.

Klingt erstmal eher langweilig. Wie wächst das Geschäft?

Der globale Qualitäts-Drang: Intertek wächst in Regionen wie Indien seit zehn Jahren mit rund 10% jährlich. Einerseits wegen des steigenden Exports für den Weltmarkt, andererseits wegen der wachsenden Mittelschicht, deren Qualitätsansprüche steigen.

Immer mehr Tests pro Produkt: Laut Intertek brauchte ein T-Shirt 2020 noch 39 Tests. Heute sind’s über 50. Bei einem Kinderwagen ging’s von 84 auf 102 Tests.

Immer mehr Produkte: Intertek wird nicht nach dem gekauften Volumen bezahlt, sondern verdient pro getesteter Produktvariante. Seit Jahren gibt’s einen Trend, dass Firmen immer mehr Produktvarianten machen, um Kunden genauer anzusprechen.

Zoll-Profiteur: Wird durch Zölle ein neuer Produktionsstandort in den USA eröffnet und weniger in China produziert, profitiert Intertek. Die Produkte in den USA brauchen eigene, neue Tests. Der Umsatz in China sinkt deshalb nicht automatisch. Dort wird zwar jetzt weniger von einem Produkt produziert, aber das Volumen ist Intertek egal.

Besonders spannend ist das Geschäftsmodell im Konsumentenbereich, der für über 40% des Gewinns sorgt: Intertek hat hier hohe Preissetzungsmacht.

Das hat verschiedene Gründe. Ein besonders spannender: der Kunde zahlt oft gar nicht.

Beispiel: Ein US-Einzelhändler beauftragt Intertek mit dem Test chinesischer Lieferanten, er zahlt aber nicht. Die chinesischen Lieferanten zahlen den Test. Unter anderem deshalb kommt der Bereich auf eine operative Marge von rund 30%.

So ein stabiles Business ist an der Börse nicht super-günstig. Aber das KGV liegt mit circa 18 grade unterm Durchschnitt der letzten Jahre und es gibt 4% Dividendenrendite.