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KI in Steckdose

OAWS Redaktion23. Juli 20262 Min

Legrand aus Frankreich macht fast 10 Mrd. € Umsatz mit allem zwischen Hausanschluss und Steckdose: Sicherungskästen, Kabelkanäle, Schalter. Klingt langweilig, bringt aber eine EBIT-Marge von rund 20%.

Der Grund: Legrand verkauft keine Massenware, sondern Nischenprodukte, bei denen Zulassungen und Markennamen zählen. Ein Schalter macht einen winzigen Teil der Baukosten aus, da spart niemand.

Das Wachstumsmodell: Legrand kauft seit Jahrzehnten kleine Spezialisten zu. Allein 2025 waren es sieben Firmen. Von den insgesamt 13% Umsatzwachstum kam rund ein Drittel aus Übernahmen.

Die KI-Fantasie: Auch in Rechenzentren muss Strom verteilt, abgesichert und verkabelt werden. Legrand hat passende Firmen zugekauft und ist zu einem der großen Ausrüster geworden. Anders als Vertiv (komplette Kühlsysteme) liefert Legrand Standardkomponenten, die praktisch jedes Rechenzentrum braucht.

Der Hebel: Das Rechenzentrum-Geschäft hat sich von 2020 bis 2025 mehr als verdreifacht. Gut ein Viertel vom Konzernumsatz kommt schon aus Rechenzentren, langfristig hält Legrand 30% für möglich. Dazu kommen 40% des Umsatzes aus Nordamerika, also genau von dort, wo die meisten Rechenzentren entstehen.

Die Geschichte: Schneider Electric wollte Legrand schon 2001 kaufen und hatte 98% der Aktien eingesammelt, aber die EU-Kommission hat die Fusion verboten. Damals war Legrand rund 4 Mrd. € wert. Heute sind‘s 40 Mrd. €.

Aber Legrand ist kein reiner KI-Profiteur. Der Konzern hängt auch an der Bauwirtschaft, und die macht Probleme. In Europa liegen zwei schwache Jahre hinter uns, in den USA bleibt der Wohnungsbau wegen hoher Zinsen schwach. Die Bewertung liegt beim 24-fachen des erwarteten Gewinns, ungefähr im Fünfjahresschnitt. Dazu gibt's knapp 2% Dividendenrendite.