
Japans Profit-Maschine
Es gibt eine japanische Firma, die zu den profitabelsten Industrieunternehmen der Welt gehört, den Kurs in zehn Jahren verzehnfacht hat und trotzdem kaum jemand in Deutschland kennt: Keyence. Die Firma baut Sensoren und Kameras für Fabrikautomatisierung. Damit erkennt man in der Produktion, ob eine Schraube fehlt oder ein Bauteil den richtigen Abstand hat.
Der Gründer hat nie studiert, vorher zwei Firmen in den Bankrott geführt und dann im dritten Anlauf Keyence gebaut. Im Firmensitz stehen Fossilien mit der Botschaft: Wer keine neuen Produkte entwickelt, stirbt aus. Nach über 50 Jahren hat er jetzt den Aufsichtsrat verlassen.
Was er hinterlässt:
•7,5 Mrd. $ Jahresumsatz. Besonders stark laufen Amerika und Asien mit zweistelligem Wachstum. Dazu gibt's Rückenwind vom schwachen Yen, der die im Ausland verdienten Dollar in der japanischen Bilanz aufwertet.
•Versteckter KI-Profiteur: Die Sensoren werden bei der Chip-Produktion für Qualitätskontrolle und Präzisionsmessung gebraucht.
•Operative Marge über 50%. Keyence lässt extern fertigen und verkauft direkt über eigene Ingenieure, die beim Kunden Probleme analysieren und dann die Lösung verkaufen. Dienstleistung und Produkt in einem, das rechtfertigt höhere Preise. Zum Vergleich: US-Konkurrent Cognex kommt auf 16%, selbst Apple nur auf 30%.
•Erstes Aktienrückkaufprogramm ever. Die Firma sitzt auf über 3 Mrd. $ Cash und will damit erstmals eigene Aktien zurückkaufen. Das war ein Kurstreiber nach den letzten Zahlen.
Seit Jahresbeginn liegt die Aktie 25% im Plus, der Börsenwert steht bei rund 120 Mrd. $. Das erwartete KGV von knapp 40 klingt teuer, liegt aber unter dem Fünf-Jahres-Schnitt. Aber: Europa schwächelt noch, China macht 25% vom Umsatz aus und ist geopolitisch anfällig. Und dreht der Yen nachhaltig (Japan hat letzte Woche bereits interveniert), sehen die gleichen Zahlen plötzlich schlechter aus.