
Italiens Öl-Satellit
Eni fördert fast 2 Mio. Barrel pro Tag, im ersten Quartal waren das knapp 10% mehr als im Vorjahr. Geplant sind 3 bis 4% Wachstum pro Jahr bis 2030. Und die Förderung ist billig: Das gesamte Geschäft kommt schon bei einem Ölpreis von unter 30 $ pro Barrel aus. Jeder Dollar mehr beim Brent-Preis bringt gut 100 Mio. € zusätzlichen Cashflow pro Jahr.
Dazu hat Eni eine feste Ausschüttungsregel: Bis 90 $ fließen 60% vom zusätzlichen Cashflow in Aktienrückkäufe. Liegt der Ölpreis im Jahresschnitt über 90 $, geht das zusätzliche Geld zu 100% als Sonderdividende an die Aktionäre.
Das allein wäre aber nur eine normale Öl-Story. Wirklich besonders ist das sogenannte Satellitenmodell. Eni packt Zukunftsgeschäfte in eigenständige Firmen, verkauft Minderheitsanteile an Finanzinvestoren und behält die Mehrheit.
•Enilive (Biosprit): KKR ist mit 30% eingestiegen, Bewertung knapp 12 Mrd. €.
•Plenitude (Ökostrom): Über 10 Mio. Kunden, Investoren halten zusammen 30%, Bewertung ebenfalls rund 12 Mrd. €.
•CO2-Speicherung: BlackRocks Infrastrukturfonds GIP hat sich mit knapp 50% eingekauft.
Eni profitiert doppelt: Die Partner finanzieren das Wachstum mit und Geschäfte, die im Konzern unsichtbar wären, bekommen ein Preisschild. Allein die Anteile an Enilive und Plenitude sind zusammen rund 20 Mrd. € wert. Bei einem Börsenwert von ~65 Mrd. € entfällt damit ein Drittel auf zwei Töchter. Das zeigt, wie günstig der Markt das restliche Öl- und Gasgeschäft bewertet.
ABER: Ein großer Teil der Förderung stammt aus politisch heiklen Regionen wie Libyen, Ägypten oder Kasachstan. Außerdem hält der italienische Staat rund 30% an Eni, was politische Interessen bei strategischen Entscheidungen verstärkt. Dafür gibt's knapp 5% Dividendenrendite und ein steigender Ölpreis wird nach festen Regeln direkt in höhere Ausschüttungen übersetzt.