
Insider kaufen Boston Scientific
Der Boston-Scientific-CEO hat Anfang August für 9 Mio. $ eigene Aktien gekauft. Seit Jahresanfang ist der Börsenwert um 50% auf 70 Mrd. $ gefallen. Und das bei einem der größten Medizintechnikunternehmen der Welt, das in den letzten fünf Jahren im Schnitt 15% pro Jahr gewachsen ist. Was da los?
Zwei Produkte haben das Wachstum getrieben, und bei beiden hakt‘s grade:
•Farapulse (Herzrhythmusstörungen): Das Gerät behandelt störendes Gewebe im Herz mit kurzen Stromstößen, statt es zu verbrennen oder zu vereisen. Schneller, schonender. Aber Medtronic, Abbott und Johnson & Johnson haben Konkurrenzprodukte rausgebracht, die teilweise sogar besser sind. Der Marktanteil liegt noch über 50%, schrumpft aber. Dazu wird das Verfahren in den USA mittlerweile bei 80% aller Eingriffe eingesetzt, der Heimatmarkt ist also weitgehend durchdrungen. Im letzten Quartal nur noch 9% Wachstum im zugehörigen Segment, vorher immer über 20%.
•Watchman (Schlaganfallprävention): Ein kleiner Stöpsel, der eine Ausbuchtung im Herz verschließt, in der sich Blutgerinnsel bilden können. Über 90% Marktanteil. Aber eine aktuelle Studie hat gezeigt, dass eine spezielle Form von Schlaganfall bei Watchman-Patienten häufiger war als bei der Alternative (Blutverdünner). Statistisch zwar nicht signifikant, trotzdem genug Unsicherheit für Ärzte. Dazu noch paar andere Gründe, die das Wachstum dämpfen. Das Management erwartet fürs Gesamtjahr kein oder nur wenig Wachstum. Vorher ging's auch hier immer mit über 20% nach oben.
Zusammen machen die beiden Produkte nur rund ein Viertel vom Umsatz aus. Der Rest wächst stabil mit ca. 6%. Aber Farapulse und Watchman waren die Wachstumsmotoren, die die Bewertung nach oben getrieben haben. Mit einem erwarteten KGV von 15 liegt die Aktie jetzt deutlich unter dem 20-Jahres-Schnitt von 20. Das Management scheint sich bei dem Preis wenig Sorgen zu machen. Wie stark die Konkurrenz die Umsätze wirklich drücken wird, ist aber schwer zu sagen.