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I need a Dollar

OAWS Redaktion22. Juli 20262 Min

Wortwörtlich einen Dollar für unter einen Dollar kaufen ist ein geiler Deal. Oder auch nicht. Bevor Buffett auf Qualitätsunternehmen umgeschwenkt ist, hat er nach sogenannten Net-Nets gesucht: Firmen, die an der Börse für weniger gehandelt werden als ihr Nettovermögen. Das operative Geschäft kriegt man quasi umsonst. Das ist die ursprüngliche Definition von Value Investing. Aber solche Schnäppchen sind heute selten geworden.

Hardcore-Value-Investoren haben sich deshalb in Japan und Korea umgeschaut. 2023 wurde dort knapp die Hälfte aller Firmen unter dem Nettovermögen gehandelt. Das klingt spannend, hat aber einen Haken: Viele dieser Firmen horten ihr Cash einfach nur, anstatt es auszuzahlen oder zu investieren. Und wenn ich an das Geld nicht rankomme, ist jeder Dollar auf der Bank weniger wert als ein voller Dollar.

Perfektes Beispiel: das koreanische Videospielunternehmen Gravity.

Das Geschäft: Gravity verdient sein Geld hauptsächlich mit In-Game-Käufen im Multiplayer-Rollenspiel Ragnarok. Letztes Jahr: 50 Mio. $ Nettogewinn, keine Schulden, 400 Mio. $ Cash auf der Bank. Trotzdem liegt der Börsenwert bei nur knapp 430 Mio. $ (also kaum über dem Cash-Wert).

Das Problem: Der Cashberg wird jedes Jahr größer, aber es wurde noch nie etwas davon ausgezahlt. Kein Aktivist kann das ändern, weil die japanische Firma GungHo mit knapp 60% die Kontrolle hält.

Der Trigger: Bei GungHo selbst setzt sich seit Anfang 2025 ein Aktivist für bessere Kapitalallokation ein. Mit Erfolg: GungHo hat die Ausschüttungsquote angehoben, ein Rückkaufprogramm gestartet und sogar die Management-Vergütung umgebaut. Boni gibt's jetzt nur noch, wenn die Aktie über drei Jahre den japanischen Topix-Index schlägt.

Der Clou: Die Hälfte von GungHos Cash liegt in der Tochter Gravity. Damit GungHo überhaupt an das Geld rankommt, muss Gravity es als Dividende ausschütten. Und genau das ist passiert: Gravity hat letzten Monat die erste Dividende ever angekündigt. Die Aktie ist an dem Tag knapp 20% gestiegen.

Wie hoch die Dividende ausfällt und ob es regelmäßig welche geben wird, wissen wir noch nicht. Der Stichtag war am 30. Juni, die Details sollten in den nächsten Wochen kommen. Es ist der erste echte Bruch mit der alten Cash-Hortungspolitik. Wenn der Cashberg deutlich abgebaut wird, sollte die Aktie weiter steigen. Bleibt es bei einer Mini-Ausschüttung, könnte der Kurs genauso schnell wieder abgeben.