
Grün reicht nicht
Heidelberg Materials hat sich auf Sicht von fünf Jahren mehr als verdoppelt, kämpft aber aktuell mit einem Paradox: Die eigene Klimastrategie wird zum Risiko.
Der Konzern gehört zu den Vorreitern bei CO2-armen Baustoffen. Umso überraschender: Mitte August hat die Firma ihr Vorzeigeprojekt zur CO2-Abscheidung in Kanada auf Eis gelegt. Das Werk in Edmonton sollte über eine Million Tonnen CO2 pro Jahr abscheiden. Aber das Projekt hat sich wirtschaftlich nicht gelohnt, auch weil die politischen Vorgaben beim CO2-Preis zu unsicher sind.
Warum ist CO2 für Heidelberg so wichtig?
Zement ist extrem CO2-intensiv. In Europa wird das über den Emissionshandel zunehmend teuer. Die Wette des Konzerns war: Wer am wenigsten CO2 ausstößt, hat den größten Vorteil, wenn der CO2-Preis richtig hochgeht.
Was hat den Kurs gedrückt?
•Emissionshandel-Reform: Anfang des Jahres kam die Debatte über eine Verlängerung kostenloser CO2-Zertifikate in Europa auf. Für Heidelberg wäre das Gift: Konkurrenten könnten ohne teure Klimainvestitionen weiter billig produzieren, Heidelbergs Vorsprung würde verpuffen.
•Kursrutsch: Im Januar war die Firma noch über 40 Mrd. € wert, aktuell sind es weniger als 30 Mrd. € (Minus von fast einem Drittel). Und das, obwohl es 2025 einen Rekord beim operativen Ergebnis gab und der Umsatz leicht auf über 20 Mrd. € gestiegen ist.
•Operativ läuft's: Im ersten Halbjahr 2026 ist der Umsatz weiter leicht gewachsen. Nordamerika gibt Rückenwind durch große Bauprojekte (Fabriken, KI-Rechenzentren). Dazu kommen Zukäufe in Kanada, der Türkei und eine geplante Übernahme in Australien.
Heidelberg selbst gibt sich gelassen: Das EU-Papier stütze die eigene Strategie und ändere bis 2030 wenig. Langfristig dürfte an der Dekarbonisierung kein Weg vorbeiführen. Auch Analysten sind optimistisch: Von 20 raten 15 zum Kauf. Nach dem Rücksetzer kommt die Aktie nur noch auf ein erwartetes KGV von 12, deutlich günstiger als der Schweizer Konkurrent Holcim. Dazu gibt's 2% Dividendenrendite und ein Rückkaufprogramm von bis zu 1,2 Mrd. €.