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Googles Erdwärme-Wette

OAWS Redaktion18. September 20262 Min

Google hat einen riesigen Energie-Deal unterschrieben: Fervo Energy soll ab 2028 fast 400 Megawatt Strom aus Geothermie liefern. Genug für eine mittelgroße Stadt. Der Clou: Der Strom ist emissionsfrei und fließt rund um die Uhr. Bei Wind und Sonne ist das nicht so, ein Rechenzentrum braucht aber auch um drei Uhr nachts im Januar Strom.

Die Technik: Klassische Geothermie funktioniert nur in vulkanisch aktiven Regionen wie Island. Fervo hat sich vom Fracking inspirieren lassen, bohrt über drei Kilometer tief, bricht das Gestein auf und schickt Wasser durch die künstlichen Risse. Das kommt bei über 200 Grad zurück, treibt eine Turbine an und wird wieder zurückgepumpt. Damit kann Fervo an viel mehr Orten bauen.

Die Landrechte: CEO Tim Latimer hat früh Geothermie-Rechte im Westen der USA gesichert, über 2.400 Quadratkilometer für unter 10 Cent pro 100 Quadratmeter. Heute werden laut CNBC über 10 $ für vergleichbare Flächen gezahlt. Fervos Rechte wären damit knapp 240 Mio. $ wert.

Der Auftragsbestand: Allein die bestehenden Verträge mit Google, Shell und anderen ergeben rund 7 Mrd. $ für fast 700 Megawatt. Die Verträge laufen jeweils 15 Jahre ab Lieferbeginn.

Die Bewertung: Wenn Fervo langfristig auf ähnliche Margen wie Konkurrent Ormat Technologies kommt (10% Nettomarge), wären mit den bestehenden Verträgen über 1 Mrd. $ Nettogewinn bis 2040 drin. Klingt viel, wären aufs Jahr gerechnet nur gut 70 Mio. $. Der Börsenwert von 4,5 Mrd. $ ist fast das 70-Fache davon. Es braucht also noch deutlich mehr Aufträge.

Das Problem: Das Management erwartet nächstes Jahr nur rund 80 Mio. $ Umsatz wegen Problemen beim Stromanschluss. Bei so einer frühen Technologie kann das immer passieren. Die Aktie hat seit dem Börsengang vor vier Monaten knapp 60% verloren. Nächsten Monat soll der erste Teil der Utah-Anlage ans Netz gehen. Das wäre das erste Mal ever, dass diese neue Geothermie-Technik kommerziell genutzt wird.