
Gold zu teuer?
Der Goldpreis steht bei rund 4.450 $ pro Unze und ist damit laut Edelmetall-Fondsmanager Martin Siegel (Stabilitas) über dem fairen Wert. Der Grund für die Übertreibung: Zentralbanken, allen voran Russland und China, die seit dem Einfrieren russischer Vermögen massiv Gold aufbauen und damit den Preis nach oben treiben.
Hier sind weitere Aussagen aus dem Gespräch mit Martin Siegel:
•Faire Bewertung: Langfristig müsste der Goldpreis seiner Meinung nach auf 3.200 bis 3.500 $ zurückkommen. Das Kaufverhalten der Zentralbanken verhindert das bisher.
•Zinsen kein klarer Treiber: Siegel sieht keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen Zinspolitik und Goldpreis. Viel wichtiger seien die Positionierungen der Investmentbanken, die den Markt langfristig in die gewünschte Richtung lenken.
•Silber? Noch vorsichtiger: Das Gold/Silber-Ratio liegt bei 67 (historisch eher 15-20). Klingt nach Schnäppchen, aber Siegel warnt: Wenn der Goldpreis schon hoch ist, sollte man beim volatileren Silber erst recht vorsichtig sein.
•Minenaktien sind der Sweet Spot: Produktionskosten liegen laut Siegel bei den meisten Firmen um 2.000 $ pro Unze, einzelne schafften es unter 1.000 $. Bei einem Verkaufspreis von über 4.000 $ seien die Margen historisch hoch. Folge: Dividendenrenditen von 4-5% plus Aktienrückkäufe. Selbst bei einem Goldpreis von 3.200 $ wären die Dividenden nicht gefährdet.
•Risiken bei Minen: Produktionskosten steigen jedes Quartal um rund 100 $, weil Staaten und Lieferanten laut Siegel Abgaben und Kosten erhöhen. Dazu kommen politische Risiken, zum Beispiel in Westafrika.
•Worauf achten? Qualität und Lebensdauer der Erzkörper, Explorationspotenzial im Umfeld und das politische Risiko des Standorts sind laut Siegel wichtige Anhaltspunkte.
Ob Gold weiter fällt, sei schwer vorherzusagen. Die große Unbekannte bleibe vor allem die chinesische Zentralbank. Die wolle zwar weiter kaufen. Ob sie das aber bei 3.200 oder 4.300 $ macht, kann niemand vorhersagen.