
GMs goldenes Halbjahr
Höchster Gewinn pro Aktie in der Firmengeschichte. Das hat General Motors im ersten Halbjahr hingelegt, während VW schwächelt. Im zweiten Quartal hat GM knapp 48 Mrd. $ umgesetzt und einen überraschend hohen Gewinn gemacht. Und das, obwohl darin Milliarden an Restrukturierungskosten fürs E-Auto-Geschäft stecken und GM weniger Autos verkauft hat als im Vorjahr.
Drei Gründe erklären den Widerspruch:
•Preisdisziplin: GM hält die Lagerbestände bewusst knapp. Der Bestand der Autohäuser reicht für gut 50 Tage, im Branchenschnitt sind‘s 80. Weniger Autos auf dem Hof heißt weniger Rabatte. Die Rabattquote liegt unter 5%, die Branche zahlt im Schnitt über 6%. Besonders stark ist GM da, wo die Margen hoch sind: Bei großen Pick-ups hält der Konzern über 40% Marktanteil (zehn Punkte vor Ford), bei großen SUVs ist GM seit 51 Jahren in Folge Marktführer.
•E-Auto-Verluste schrumpfen: Die Restrukturierung ist fast abgeschlossen, insgesamt hat GM 11 Mrd. $ abgeschrieben. Fürs laufende Jahr rechnet der Konzern damit, dass sich das E-Auto-Ergebnis um 1,5 Mrd. $ verbessert, weil Batteriekosten sinken und weniger produziert wird.
•Software-Abos als neuer Hebel: GM verkauft mittlerweile Abos. Der Konnektivitätsdienst OnStar hat schon 12 Mio. Abonnenten, dazu kommt Super Cruise (freihändiges Fahren auf der Autobahn) für rund 40 $ im Monat. Rund 6 Mrd. $ Umsatz sind damit schon vertraglich gesichert, ein Plus von 50%. Die Marge der Software ist dabei deutlich höher als beim Autoverkauf.
Fairerweise: Super Cruise ist drei Jahre im Autopreis enthalten, danach verlängern nur 30 bis 40% der Kunden. Und das Business ist noch klein (400 Mio. $ erwarteter Umsatz bei fast 190 Mrd. $ Konzernumsatz). Auf dem Schirm haben sollte man es trotzdem.
Die Aktie hat auf Sicht von einem Jahr 60% gewonnen. Der Börsenwert von 70 Mrd. $ entspricht aber nur dem 6-fachen des erwarteten Gewinns. Der Zehn-Jahres-Schnitt liegt bei 7. Dazu gibt's knapp 1% Dividendenrendite und vor allem aggressive Aktienrückkäufe: Seit 2023 hat GM die Aktienzahl um knapp 35% reduziert. Das ist auch ein Hauptgrund für den Rekordgewinn pro Aktie. Dafür hilft nämlich nicht nur ein hoher Gesamtgewinn, sondern auch weniger eigene Aktien.