
Frankreichs Autobahn-Monopol
Mit über 25 Mrd. € Umsatz ist Eiffage einer der größten Baukonzerne Europas. Gebäude, Brücken, Energieanlagen, Rechenzentren, Hochspannungsnetze. Besonders stark wächst die Energiesparte. Insgesamt hat der Umsatz über die letzten drei Jahre im Schnitt 8% pro Jahr zugelegt.
Aber Eiffage ist mehr als ein Baukonzern.
•Das Maut-Monopol: In Frankreich gibt es seit 1955 eine Autobahnmaut. Eiffage gehören knapp 10% des privaten Autobahnnetzes. Über 80% vom Umsatz kommen zwar aus dem Bau, aber zwei Drittel vom operativen Gewinn werden mit Nutzungsgebühren gemacht: Autobahnmaut, Kanaltunnel Getlink, Flughafen Toulouse. Die Margen sind viel höher, weil die großen Investitionen schon durch sind und es sich um kritische Infrastruktur mit quasi-Monopolstellung handelt.
•Das Risiko: Die Autobahnverträge müssen in weniger als 10 Jahren neu verhandelt werden, oder die Autobahnen gehen an den Staat zurück. In Frankreich gibt‘s schon länger Diskussionen um eine Verstaatlichung, in den letzten Jahren gab's dadurch auch Sondersteuern. Ab 2035 könnte also ein extrem wichtiger Teil vom Business wegfallen.
•Das Gegenargument: Die Regierung hat die Verträge in der Vergangenheit genutzt, um den Bau neuer Autobahnen zu finanzieren. Eiffage hat dafür höhere Mautgebühren oder längere Vertragslaufzeiten bekommen, der Staat musste kein eigenes Geld aufbringen.
Das Maut-Risiko dürfte ein Grund sein, warum Eiffage nur mit 12 Mrd. € Börsenwert und dem 11-Fachen vom erwarteten Gewinn gehandelt wird, während Konkurrent Vinci beim 14-Fachen liegt. Dazu kommen knapp 9 Mrd. € Netto-Schulden. Zumindest bis 2035 ist es aber ein ziemlich stabiles Business. Über 20% der Aktionäre sind Mitarbeiter, die Dividendenrendite liegt bei 4%.