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Fischhaut-Fiasko

OAWS Redaktion12. Juni 20262 Min

1954 hat eine dänische Krankenschwester den ersten selbstklebenden Stomabeutel (künstlicher Darmausgang) für ihre krebskranke Schwester erfunden. Heute macht der Konzern fast 4 Mrd. € Umsatz mit Produkten für Stoma-, Inkontinenz- und Wundversorgung. Das Geschäftsmodell ist quasi ein Abo: chronische Erkrankungen, tägliche Verbrauchsprodukte, bezahlt von der Krankenkasse. Bei der Stomaversorgung ist Coloplast Weltmarktführer.

Trotzdem hat die Aktie seit dem Hoch 2021 rund 70% verloren. Ein großer Grund: der teure Fehlgriff Kerecis.

Der Deal: 2023 hat Coloplast die isländische Firma Kerecis für rund 1 Mrd. $ gekauft. Die stellt Wundauflagen aus Fischhaut her, ein Wachstumshit in den USA.

Das Problem: Anfang 2026 haben die USA die Erstattung für solche Behandlungen umgestellt. Statt Verkaufspreis plus Aufschlag gibt's jetzt nur noch eine Einheitspauschale. Damit ist das Geschäft für die teure Fischhaut über Nacht kollabiert. Coloplast hat die Jahresprognose gesenkt und rund 400 Mio. € auf den Kaufpreis abgeschrieben. Dazu kamen Produktrückrufe und ein schwaches China-Geschäft.

Das Kerngeschäft: Läuft weiter. Im letzten Quartal ist der Umsatz in den wichtigsten Sparten um ca. 8% gewachsen.

Die Bewertung: Bei knapp 12 Mrd. € Börsenwert kommt Coloplast auf ein erwartetes KGV von 15 und 6% Dividendenrendite. Im Schnitt der letzten fünf Jahre lag das erwartete KGV bei 32.

Kann die Firma den Trend drehen? Ab 2028 droht in den USA ein Ausschreibungsmodell bei Medicare, das weiter auf die Preise drücken könnte. Andererseits sehen Analysten in der günstigen Bewertung eine langfristige Chance. Der neue CEO ist erst seit Anfang Mai im Amt und kommt von Johnson & Johnson.