
Filial-Comeback
Überall auf der Welt drängen Neobanken wie Revolut oder Nu Bank in den Markt - digital, günstig, ohne Filialen. Zwischen 2013 und 2023 ist die Zahl der Bankfilialen in Deutschland um fast 50% gesunken. In den USA waren's knapp 15%.
Aber ausgerechnet JP Morgan, die wertvollste Bank der Welt, geht jetzt den umgekehrten Weg und eröffnet bis Jahresende 160 neue Filialen.
•Das Ziel: JP Morgan will 15% aller US-Privatkundeneinlagen halten. Die liegen bei rund 10.000 Mrd. $. Aktuell haben sie knapp 12%. Beim erwarteten Zinssatz von 2,5% wären das fast 40 Mrd. $ an Zinserträgen oder 25% Wachstum in der Sparte.
•Warum Filialen? Laut Accenture wollen über zwei Drittel aller US-Amerikaner in der Nähe einer Filiale wohnen - auch jüngere Generationen. Dazu kommt: Offline-Einlagen sind für Banken attraktiver als online, wo Vergleichsseiten den Zinswettbewerb anheizen und die Marge drücken.
•Es funktioniert: Die neuen Standorte werden oft schon Monate vor dem geplanten Break-even profitabel.
PNC zieht nach: Die viertgrößte US-Bank nach Filialen will bis 2030 noch 300 Standorte eröffnen. Laut CEO reichen 7% Filialmarktanteil in einer Region, um den Markt outzuperformen. Das Nettozinseinkommen durch Privatkunden ist bei PNC im Schnitt mit 16% pro Jahr gewachsen, dank hoher Zinsen und Übernahmen wie BBVA USA in 2021.
PNC handelt mit 94 Mrd. $ Börsenwert bei einem erwarteten KGV von 12, leicht unter dem Schnitt der letzten zehn Jahre. Der CEO geht davon aus, dass sich der US-Privatkundenmarkt auf 5-6 große Player konzentrieren wird. Wer jetzt Filialen baut, könnte sich einen Platz sichern.