
Europas stiller Baumarkt-Riese
Stellt euch einen Elektriker in England vor. Der sitzt morgens im Transporter, bestellt übers Handy Kabel und Steckdosen, und wenn er den Laden betritt, liegt die Bestellung schon an der Theke. So funktioniert Screwfix, die wohl spannendste Marke von Kingfisher. Knapp 1.000 solcher Läden gibt es in Großbritannien und Irland.
Insgesamt betreibt Kingfisher rund 1.700 Filialen (B&Q, Castorama, Brico Dépôt, Screwfix) und hat letztes Jahr rund 15 Mrd. € Umsatz gemacht. Zuletzt lief es etwas zäh: Küchen und Bäder sind im ersten Halbjahr geschrumpft, dazu haben Hitzewellen die Nachfrage gebremst. Ohne Sondereffekte ist der bereinigte operative Gewinn trotzdem 6% gestiegen.
Was treibt den Laden?
•Die Handwerker: Mittlerweile fast ein Drittel vom Umsatz. Eine kaputte Heizung muss repariert werden, egal ob gespart wird. Screwfix ist auf vergleichbarer Fläche über 5% gewachsen, während der britische Markt leicht geschrumpft ist. Fairerweise: Profis bekommen bessere Preise und drücken damit leicht auf die Marge.
•Eigenmarken: Fast 45% vom Umsatz. Die sind im Laden 15 bis 30% günstiger als Markenware und bringen trotzdem mehr Marge, unter anderem weil Kingfisher gebündelt und teils direkt in Asien einkauft.
•Online-Marktplatz: Bei B&Q bieten fremde Händler knapp 5 Mio. Produkte an. Kingfisher kassiert 10 bis 15% Provision, ohne die Ware selbst ins Lager zu legen. Der Gewinn des Marktplatzes hat sich im ersten Halbjahr knapp verdoppelt.
An der Börse ist Kingfisher rund 6,5 Mrd. € wert, das ist ungefähr ein erwartetes KGV von 12. Dazu gibt's rund 3,5% Dividendenrendite, und seit 2021 hat Kingfisher fast ein Viertel seiner Aktien zurückgekauft. ABER: Lieferanten wollen höhere Preise durchsetzen, und der CEO hat seinen Abschied für nächstes Jahr angekündigt. Ein Nachfolger steht noch nicht fest.