
Douglas: Turnaround-Wette
Seit dem Börsengang 2024 hat die Douglas-Aktie 60% verloren. Gestern gab's wieder schwache Zahlen: Umsatz -2%, Gewinn noch stärker gefallen. Mittlerweile ist die Parfümerie-Kette nur noch rund 900 Mio. € wert, das KGV liegt unter 10.
Douglas schiebt das aufs schwache Konsumklima. Aber E-Commerce-Expertin Karo Junker De Neui (Kassenzone-Podcast, Geschäftsführerin von Etribes, Beirat von Schuback) sieht das bei uns im Podcast differenzierter:
•Lipstick-Effekt am Ende: Beauty war lange konjunkturresilienter als der restliche Handel. Aber Konsumenten sind inzwischen so preissensibel, dass sie auf Rabatte warten oder gleich in der Drogerie kaufen. Das drückt nicht nur den Umsatz, sondern vor allem die Marge.
•Online-Problem: Ausgerechnet die zugekauften Online-Marken Parfumdreams und Niche Beauty sind mit -10% am stärksten geschrumpft. Hauptgrund laut Karo: Parfumdreams hat ein Differenzierungsproblem. Wenn zehn Shops dasselbe Parfum verkaufen, gewinnt der günstigste. Wachstum muss dann teuer über Rabatte und Werbung eingekauft werden.
•Gegenargument zum Konsumklima: Der HDE prognostiziert für den deutschen Onlinehandel 2026 ein Wachstum von über 4%. Wenn Douglas online gleichzeitig schrumpft, kann das nicht nur am Marktumfeld liegen.
•Mögliche Hebel: Mehr exklusive Sortimente, Ausbau von Eigenmarken und konsequente Kundenbindung könnten helfen. Auch die Filialen sind eine Chance, weil Beauty eine der wenigen Kategorien ist, in denen stationärer Handel verteidigbar ist (riechen, ausprobieren, Beratung).
Differenzierung, Kundenbindung und gleichzeitig Schuldenabbau klingen eher nach langfristigem Umbau als nach schnellem Turnaround. Dazu kommt die hohe Verschuldung vom Voreigentümer, die weiter mitfinanziert werden muss.