
Deutscher Giga-IPO
Heute ist’s so weit: Der deutsche Prothesen-Weltmarktführer Ottobock legt sein Börsendebüt hin – und der reichste Deutsche, Klaus-Michael Kühne, hat sich direkt für über 100 Mio. € eingekauft. Damit ist er nach der Familie (81%) der größte Aktionär mit rund 3%. Die Bewertung zum Start: über 4 Mrd. €.
Was Kühne gefallen dürfte:
•Klarer Weltmarktführer bei Prothesen mit einem Marktanteil von rund 33%. Das sorgt für stabile Umsätze und Preissetzungsmacht.
•Ein Netz aus 400 eigenen Behandlungszentren, die zwar margenschwächer sind, aber in einem fragmentierten Markt durch smarte Zukäufe wachsen können.
•Zwei neue, schnell wachsende Zukunftsmärkte neben dem Kerngeschäft: Exoskelette für die Industrie und Neuro-Orthesen - zum Beispiel für Schlaganfall-Patienten. Diese eher kleinen Märkte (30 Mio. € und 400 Mio. € in 2024) sollen sich bis 2030 mindestens verdoppeln. Auch der Prothesenmarkt (1,6 Mrd. €) wächst und profitiert von älter werdender Bevölkerung und besser werdenden Prothesen.
Was nicht so gefällt:
•Das Umsatzwachstum von rund 10% im Jahr hat seinen Preis. Die Bewertung entspricht dem 22-fachen des freien Cashflows, obendrauf kommt noch über 1 Mrd. € an Schulden.
•Ein Teil des aktuellen Wachstums ist auf den Krieg in der Ukraine zurückzuführen - Russland macht 7% der Umsätze aus. Tendenz steigend. Durch den Krieg in der Ukraine gab’s rund 300.000 große Amputationen.
•Die Gründerfamilie Näder behält nicht nur 81% der Anteile, sondern durch die Firmenstruktur auch so gut wie die komplette Stimmrechtskontrolle. Und da lief in den letzten Jahren nicht alles rund: Sechs Finanzchefs in acht Jahren, Privatkredite, die von der Firma garantiert wurden, und ein laufendes Steuerverfahren gegen den Patriarchen Hans Georg Näder.