Deutsche Lichtblicke?
Es wird viel gejammert über die deutsche Wirtschaft. Aber von zwei der relevantesten Firmen gab's gestern Lichtblicke.
BASF hat die Prognose zum zweiten Mal in diesem Jahr angehoben. Im dritten Quartal ist das operative Ergebnis vor Sondereffekten und Abschreibungen um 15% gestiegen. Das Krasse: In Europa hat BASF sogar weniger verkauft als im Vorjahr, aber die Preise waren fast 18% höher.
•Grund: Der Iran-Krieg. Chemiekonzerne aus China, Japan oder Südkorea brauchen Grundstoffe aus dem Nahen Osten. Weil die Straße von Hormus gesperrt ist, mussten viele ihre Produktion runterfahren. BASF bezieht seine Rohstoffe für Europa überwiegend aus Europa und Nordafrika und kann deshalb die Preise anheben. Kein Beleg für einen breiten Nachfrageboom, sondern ein geopolitischer Sondereffekt.
•Sparkurs: Seit Anfang 2024 hat BASF rund 8.500 Stellen abgebaut und mehrere Anlagen in Deutschland stillgelegt. Jetzt will der Konzern Evonik für über 11 Mrd. € kaufen. BASF sieht das als starke deutsche Antwort auf den globalen Wettbewerb. Man könnte es aber auch anders lesen: Alleine scheint es für die deutsche Chemie schwer zu werden.
Bei der Deutschen Bank sieht's noch besser aus. In den ersten neun Monaten hat sie vor Steuern 8,5 Mrd. € verdient, so viel wie noch nie. Alle vier Geschäftsbereiche haben zum Gewinnwachstum beigetragen. Das Umsatzziel von 33 Mrd. € für 2026 wird die Bank nach eigenen Aussagen entspannt übertreffen.
Spannend war die Stärke im Anleihenhandel. Die Erlöse sind zwar um 3% gesunken, bei den großen US-Banken waren's im Schnitt aber minus 5%. Fairerweise: Die Amerikaner waren dafür beim Aktienhandel stark, den hat die Deutsche Bank 2019 aufgegeben.
Unterm Strich geht's beiden Konzernen gut, aber nicht, weil die deutsche Wirtschaft boomt. Das sagt auch die Bundesregierung: Das Wachstum von 1,3% kommt dieses Jahr vor allem vom Export und vom Staat. Ein Teil vom Export-Plus kam sogar daher, dass ausländische Kunden wegen Lieferengpässen energieintensive Produkte aus Deutschland auf Vorrat gekauft haben (quasi der BASF-Effekt). Für 2028 rechnet die Regierung nur noch mit 0,6% Wachstum.