
Costco für Lateinamerika
Wenige Menschen haben den Einzelhandel so geprägt wie Sol Price. Er hat in den Fünfzigern das Clubstore-Modell erfunden, also Läden, bei denen man einen Jahresbeitrag zahlt und dafür deutlich bessere Preise bekommt. Am besten kennt man das von Costco.
Als Costco 1993 mit der Kette von Price verschmolzen ist, wurden ein paar Filialen in Zentralamerika nicht aufgenommen, weil sie zu klein und zu weit weg waren. Daraus ist PriceSmart geworden, quasi das Costco von Lateinamerika, heute geführt vom Enkel des Gründers.
•Das Modell: Knapp 60 Standorte, 2 Mio. Mitglieder, Jahresbeitrag von 45 oder 90 $. Über 90% verlängern jedes Jahr. Die Mitgliedsbeiträge machen 40% vom operativen Gewinn aus, bei fast keinen Gegenkosten. Ein großer Teil vom Gewinn ist also abgesichert, bevor überhaupt wer einkaufen war.
•Der Wachstumstreiber: Die Beiträge sind im letzten Quartal knapp 18% gewachsen. Die Mitgliederzahl ist um ca. 10% gestiegen (drei bis vier neue Clubs pro Jahr + Wachstum in bestehenden Läden), und immer mehr Mitglieder wechseln auf den teureren Premiumplan. Aktuell sind gut 20% auf dem Premiumplan, vor 5 Jahren war's nur die Hälfte. Bei Costco sind's mittlerweile fast 50%. Da gibt's also Potenzial.
•Eigenmarken: Fast 30% vom Umsatz kommen aus Eigenmarken, ähnlich wie bei Costco. Weil kein externer Hersteller bezahlt werden muss, sind die Margen hier höher.
•Lokale Risiken: In Trinidad ist es z.B. schwer, die lokale Währung in US-Dollar umzuwandeln, in Jamaika gibt's Hurrikans. Das Modell ist dadurch unsicherer als das von Costco.
Der Börsenwert ist in den letzten zwölf Monaten fast 60% auf über 5 Mrd. $ gestiegen. Das KGV liegt bei 33, der Schnitt der letzten 10 Jahre ist 26. Costco selbst kommt auf ein KGV von 43, wächst aber deutlich langsamer. Wenn PriceSmart das KGV halten kann und jedes Jahr 10% im Umsatz wächst, sind das auch 10% Rendite pro Jahr. Günstig wirkt die Aktie aber nicht.