
Contis Reifenwende
Bei Continental haben Anfang Juni alle vier Vorstände Aktien gekauft, zusammen für gut 800.000 €. Klingt nach Insider-Signal, ist aber keins. Im Vergütungssystem steht: 40% vom Jahresbonus gibt's in Aktien, die mindestens drei Jahre gehalten werden müssen. Das passiert jedes Jahr.
Spannender ist, was bei Conti strukturell passiert. Der Konzern zerlegt sich grade und könnte das erste Mal seit über 150 Jahren ein reiner Reifenhersteller werden.
Die Autosparte wurde im September als Aumovio abgespalten, und wenn dieses Jahr noch die Industriesparte ContiTech verkauft wird, bleibt ein reiner Reifenhersteller übrig.
Das wäre der beste Teil vom Konzern:
•Planbare Umsätze: Knapp 14 Mrd. € Umsatz, davon 76% aus dem Ersatzgeschäft. Reifen nutzen sich ab, egal wie die Wirtschaft läuft.
•E-Auto-Rückenwind: E-Autos sind schwerer und bringen sofort volle Kraft auf die Räder. Ergebnis: 20-30% schnellerer Reifenverschleiß. Dazu kommt der Trend zu größeren Autos. Reifen ab 18 Zoll sind deutlich teurer, bringen mehr Marge und stehen bei Continental für 60% vom Pkw-Reifenumsatz.
•ContiTech-Verkauf als Katalysator: Sieben Finanzinvestoren bieten laut Bloomberg mit, die Bewertung liegt bei rund 4 Mrd. €. Das ist rund ein Viertel vom Börsenwert (14 Mrd. €). Mit dem Erlös will Conti Schulden abbauen und eventuell per Sonderdividende und Rückkäufe an Aktionäre ausschütten.
•Günstigste Bewertung im Vergleich: Obwohl Contis bereinigte EBIT-Marge im Reifengeschäft mit 13,6% besser ist als bei Michelin (~10%) und Bridgestone (~11%), ist die Aktie am günstigsten bewertet: KGV von 10 vs. 11,5 (Michelin) und 12 (Bridgestone). Dazu gibt's knapp 4% Dividendenrendite.
ABER: Die Reifenverkäufe sind zuletzt insgesamt zurückgegangen. Der hohe Ölpreis aus dem Frühjahr wird laut Conti im restlichen Jahr die Kosten erhöhen, weil Kautschukpreise am Ölpreis hängen. Und dann ist da die Konkurrenz aus China: Im aktuellen Sommerreifentest der AutoBild hatte ausgerechnet der chinesische Budget-Hersteller Linglong die kürzesten Bremswege, vor Conti und Michelin. Zu deutlich niedrigeren Preisen.