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Chinas Spotify

OAWS Redaktion9. Juni 20262 Min

Li Lu war einer der Anführer der Tiananmen-Proteste, ist danach in die USA geflohen und hat an der Columbia University studiert. 1997 hat er seinen Fonds Himalaya Capital gegründet und zwischen 1998 und 2010 über 26% Rendite pro Jahr gemacht. Charlie Munger war so begeistert, dass er einen großen Teil seines eigenen Geldes bei ihm angelegt und ihn später den "chinesischen Warren Buffett" genannt hat. Im letzten Quartal hat Li Lu eine neue Position aufgebaut: Tencent Music Entertainment.

Das Produkt: TME ist das Spotify Chinas mit einer ähnlichen Nutzerzahl. Aber die Monetarisierung hinkt hinterher. Nicht mal 5 Mrd. $ Umsatz, während Spotify auf fast 20 Mrd. $ kommt.

Die neue Strategie: Mehr Werbung, mehr Premium-Abos. Umsatz und Gewinn steigen dadurch, aber Gratis-Nutzer springen ab. Die Gesamtnutzerzahl schrumpft und die Aktie hat seit letztem September über 60% verloren.

Das Transparenzproblem: Das Management hat entschieden, wichtige Nutzerzahlen nicht mehr quartalsweise zu veröffentlichen. In China, wo Investorenrechte ohnehin eingeschränkt sind, sorgt das für zusätzliche Unsicherheit.

Die Konkurrenz: Bytedances Musikstreaming-App Soda Music gewinnt Nutzer, weil sie direkt in Douyin (Chinas TikTok) integriert ist.

Der Schutzwall: Mutter Tencent betreibt WeChat mit fast 1,5 Mrd. monatlichen Nutzern. TME ist eng in die Superapp integriert. Und Spotify ist kein Konkurrent, sondern Partner. Beide Firmen halten fast 10% aneinander.

Zieht man den rund 5 Mrd. $ Anteil an Spotify und anderen Firmen vom 15 Mrd. $ Börsenwert ab, kommt man auf eine Bewertung von nur dem 8-fachen Nachsteuergewinn. Günstig, aber die Risiken sind da: neue Konkurrenz, eine große strategische Umstellung und die üblichen politischen Unsicherheiten bei China-Aktien.