
CEO baut… CEO zerstört…
Ein Musiker, der früher Gitarren für AC/DC repariert hat, baut eine milliardenschwere Softwarefirma auf, die zwischenzeitlich zu den 20 wertvollsten Unternehmen Australiens gehört. Und dann stürzt alles ab. Wisetech hat in den letzten 12 Monaten zwei Drittel an Wert verloren.
Wisetechs Software CargoWise ist quasi das Betriebssystem für Spediteure. 24 der 25 größten Spediteure der Welt nutzen das Programm. Die Firma hat weniger als 1% der Nutzer verloren, obwohl sie regelmäßig die Preise erhöht hat. Es gibt nämlich keine Alternativen. DHL hat angeblich knapp 1 Mrd. $ für ein eigenes System ausgegeben, aufgegeben und ist Kunde bei Wisetech geworden.
Was ist passiert?
•Gründer-Risiko: Richard White hat 2024 seinen CEO-Posten abgegeben (Vorwürfe zum Privatleben), dazu laufen Ermittlungen wegen Insiderhandel. Er hält noch über ein Drittel der Firma. Seit dem IPO 2016 ist der operative Gewinn im Schnitt mit über 40% pro Jahr gewachsen, vor allem dank seiner Akquisitionen. Im schlimmsten Fall drohen Haftstrafen.
•Kartellbehörde: Die Wettbewerbsbehörde untersucht seit letztem Monat, ob Wisetech gegen das Wettbewerbsrecht verstößt. Details sind noch nicht bekannt.
•Neues Preismodell: Statt pro Nutzer wird jetzt nach Transaktionsvolumen abgerechnet (Stichwort KI, weniger Nutzer nötig). Manche Kunden rechnen mit 20 bis 50% höheren Kosten. Fast alle sind umgestellt, aber 5% der Kunden (knapp ein Drittel vom Software-Umsatz) sind noch auf dem alten Plan.
•DSV als Risiko: Das größte Speditionsunternehmen der Welt hat mit DB Schenker (Übernahme für 16 Mrd. $) ein eigenes Logistiksystem bekommen. Teile von DSVs Geschäft sollen längerfristig darüber laufen. Das wäre ein Signal gegen Wisetechs Marktmacht.
Der Börsenwert liegt bei 8 Mrd. $, das erwartete KGV bei 22. In den letzten 10 Jahren lag es im Schnitt bei 80. Deutlich günstiger als früher, aber es braucht immer noch Wachstum, damit die Bewertung Sinn ergibt.
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