
Captain Kirk aus Bremen
Alle warten auf den SpaceX-Börsengang. In Deutschland gibt's längst eine börsennotierte Raumfahrtaktie: OHB. Die Bremer bauen Satelliten für die ESA, die EU und zunehmend die Bundeswehr, machen damit fast 1,5 Mrd. € Umsatz und sitzen auf einem Auftragsbestand, der mehr als doppelt so hoch ist. Die Familie Fuchs hält 65% der Anteile. Auf Sicht von einem Jahr hat die Aktie über 700% zugelegt.
Gestern ging's nochmal knapp 20% nach oben. Der Grund: OHB und Helsing, ein deutsches KI-Rüstungsunternehmen, das unter anderem KI-gestützte Drohnensysteme für die Ukraine entwickelt, gründen ein Joint Venture namens Kirk (Künstliche Intelligenz und Raumfahrtkompetenz, aber auch eine Anspielung auf Captain Kirk).
•Das Ziel: Das nächste große Bundeswehr-Projekt Spock 2 gewinnen. Ein satellitengestütztes Aufklärungssystem, das militärische Aktivitäten in Echtzeit erkennen soll. Spock 1 ist bereits an Rheinmetall und Iceye vergeben worden und soll bis zu 3 Mrd. € wert sein. Spock 2 soll größer werden.
•Noch mehr Pipeline: OHB ist Hauptauftragnehmer beim Radarsatellitensystem Sarah und bewirbt sich zusammen mit Rheinmetall um das deutsche Starlink-Äquivalent: ein Netzwerk aus bis zu 200 Satelliten, das Panzer, Schiffe und Soldaten vernetzen soll. Geschätzter Auftragswert: 8 bis 10 Mrd. €. Die Bundeswehr will bis 2030 jedes Jahr rund 7 Mrd. € in den Raumfahrtbereich investierten.
•KKR-Jackpot: Finanzinvestor KKR ist 2023 für 340 Mio. € eingestiegen und hat sein Investment bis heute knapp verzehnfacht. Jetzt plant OHB eine milliardenschwere Kapitalerhöhung, bei der KKR gleichzeitig einen Teil seiner 29% abgibt. Vorteil: Mehr frei handelbare Aktien (Streubesitz liegt aktuell bei nur 8%). Nachteil: Bestehende Aktionäre werden verwässert.
•Wachstumsziel: Bis 2028 soll der Umsatz ohne Akquisitionen um 60% steigen, getrieben von höheren ESA- und EU-Budgets plus dem wachsenden Verteidigungsgeschäft. Die Margen sollen ebenfalls steigen.
Die Bewertung ist allerdings sportlich. 11 Mrd. € Börsenwert stehen für ein erwartetes KGV von knapp 130. Viele wichtige Aufträge sind noch nicht vergeben, bei Großprojekten kann es immer zu Verzögerungen kommen, und der niedrige Streubesitz kann auch für starke Bewegungen nach unten sorgen.