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Broadcoms Bewertungsfrage
Broadcom hat gestern nach den neuen Quartalszahlen 15% verloren. Das sind über 300 Mrd. $ Wertverlust und damit mehr als Siemens insgesamt wert ist.
Dabei waren die Zahlen an sich stark: Der KI-Umsatz ist um über 140% auf 11 Mrd. $ gewachsen und soll dieses Quartal sogar 200% im Vergleich zum Vorjahr zulegen. Dazu hatte Broadcom allein letztes Quartal 30 Mrd. $ an neuen Aufträgen. Das Book-to-Bill-Ratio liegt bei 3, also dreimal so viele Aufträge wie Umsatz.
Warum dann der Absturz?
•Keine Prognoseanhebung: Die KI-Umsatzprognose fürs nächste Jahr bleibt bei rund 100 Mrd. $. Dazu kommen 50 Mrd. $ aus anderen Bereichen.
•Engpass verschiebt sich: CEO Hock Tan hat im Analystencall gesagt, dass Broadcom keine großen Probleme hat, mehr Chips bei TSMC produzieren zu lassen. Der wirkliche Engpass sei eher Energie und der Bau der Rechenzentren. Kunden wie Alphabet oder Meta sichern sich deshalb Chip-Kapazitäten weit im Voraus. Das Wachstum von Broadcom ist aber durch die restliche Infrastruktur limitiert.
•Hohe Abhängigkeit: Ein zentrales Risiko ist die starke Konzentration auf Chips, die gemeinsam mit Alphabet entwickelt werden. NVIDIA hat diese Art von Klumpenrisiko nicht.
Günstig oder nicht? Analysten rechnen für 2027 mit bis zu 90 Mrd. $ Nachsteuergewinn, das ergibt ein 2027er KGV von knapp 20. NVIDIA kommt auf 17, wächst im KI-Bereich aber auch "nur" mit 90%.
Beide Bewertungen wären für normale Firmen mit so einem Wachstum günstig. Das Problem: Niemand weiß, ob die ungewöhnlich hohen Margen von NVIDIA und Broadcom in 5 bis 10 Jahren noch halten, wenn Engpässe nachlassen und es mehr Konkurrenz gibt. Damit erklärt sich, warum die Erwartungen bei Broadcom höher sind, als das KGV allein vermuten lässt.